| |
einem Mädchen namens Elsa, die während der Nacht bis in den späten Morgen als Kellnerin
in einer Weinstube bediente und während des Tages nur vom Bett aus Besuche empfing.
An diesem Abend aber der Tag war unter angestrengter Arbeit und vielen ehrenden und
freundschaftlichen Geburtstagswünschen schnell verlaufen wollte K. sofort nach Hause
gehen. In allen kleinen Pausen der Tagesarbeit hatte er daran gedacht; o hne genau zu
wissen, was er meinte, schien es ihm, als ob durch die Vorfälle des Morgens eine große
Unordnung in der ganzen Wohnung der Frau Grubach verursacht worden sei und daß gerade
er nötig sei, um die Ordnung wiederherzustellen. War aber einmal diese Ordnung hergestellt,
dann war jede Spur jener Vorfälle ausgelöscht und alles nahm seine n alten Gang wieder auf.
Insbesondere von den drei Beamten war nichts zu befürchten, sie waren wieder in die große
Beamtenschaft der Bank versenkt, es war keine Veränderung an ihnen zu bemerken. K. hatte
sie öfters einzeln und gemeinsam in sein Büro berufen, zu keinem andern Zweck, als um sie
zu beobachten; immer hatte er sie befriedigt entlassen können. Als er um halb zehn Uhr
abends vor dem Hause, in dem er wohnte, ankam, traf er im Haustor einen jungen Burschen,
der dort breitbeinig stand und eine Pfeife rauchte. "Wer sind Sie?" fragte K. sofort und
brachte sein Gesicht nahe an den Burschen, man sah nicht viel im Halbdunkel des Flurs. "Ich
bin der Sohn des Hausmeisters, gnädiger Herr", antwortete der Bursche, nahm die Pfeife aus
dem Mund und trat zur Seite. "Der Sohn des Hausmeisters?" fragte K. und klopfte mit
seinem Stock ungeduldig den Boden. "Wünscht der gnädige Herr et was? Soll ich den Vater
holen?" "Nein, nein", sagte K., in seiner Stimme lag etwas Verzeihendes, als habe der
Bursche etwas Böses ausgeführt, er aber verzeihe ihm. "Es ist gut", sagte er dann und ging
weiter, aber ehe er die Treppe hinaufstieg, drehte er sich noch einmal um.
Er hätte geradewegs in sein Zimmer gehen können, aber da er mit Fr au Grubach sprechen
wollte, klopfte er gleich an ihre Tür an. Sie saß mit einem Strickstrumpf am Tisch, auf dem
noch ein Haufen alter Strümpfe lag. K. entschuldigte sich zerstreut, daß er so spät komme,
aber Frau Grubach war sehr freundlich und wollte keine Entschuldigung hören, für ihn sei sie
immer zu sprechen, er wisse sehr gut, daß er ihr bester und liebster Mieter sei. K. sah sich im
Zimmer um, es war wieder vollkommen in seinem alten Zustand, das Frühstücksgeschirr, das
früh auf dem Tischchen beim Fenster gestanden hatte, war auch schon w eggeräumt.
"Frauenhände bringen doch im stillen viel fertig", dac
auf der Stelle zerschlagen, aber gewiß nicht hinaustragen können. Er sah Frau Grubach mit
einer gewissen Dankbarkeit an. "Warum arbeiten Sie noch so spät?" fragte er. Sie saßen
nun beide am Tisch, und K. vergrub von Zeit zu Zeit seine Hand in die Strümpfe. "Es gibt viel
Arbeit", sagte sie, "während des Tages gehöre ich den Mietern; wenn ich meine Sachen in
Ordnung bringen will, bleiben mir nur die Abende." "Ich habe Ihnen heute wohl noch eine
außergewöhnliche Arbeit gemacht?" "Wieso denn?" fragte sie, etwas eifriger werdend, die
Arbeit ruhte in ihrem Schoße. "Ich meine die Männer, die heute früh hier waren." "Ach so",
sagte sie und kehrte wieder in ihre Ruhe zurück, "das hat mir keine besondere Arbeit
gemacht." K. sah schweigend zu, wie sie den Strickstrumpf wieder vornahm. Sie scheint sich
zu wundern, daß ich davon spreche, dachte er, sie scheint es nicht für richtig zu halten, daß
ich davon spreche. Desto wichtiger ist es, daß ich es tue. Nur mit einer alten Frau kann ich
davon sprechen. "Doch, Arbeit hat es gewiß gemacht", sagte er dann, "aber es wird nicht
wieder vorkommen." "Nein, das kann nicht wieder vorkommen", sagte sie bekräftigend und
lächelte K. fast wehmütig an. "Meinen Sie das ernstlich?" fragte K. "Ja", sagte sie leiser,
"aber vor allem dürfen Sie es nicht zu schwer nehmen. Was geschieht nicht alles in der Welt!
Da Sie so vertraulich mit mir reden, Herr K., kann ich Ihnen ja eingestehen, daß ich ein wenig
hinter der Tür gehorcht habe und daß mir auch die beiden Wächte r einiges erzählt haben. Es
|  |
|
| |
|
|