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aufmerksam machen will. Er nennt dann immer die Advokaten seines Kreises zur
Unterscheidung die großen Advokaten. Das ist falsch, es kann sich natürlich jeder groß
nennen, wenn es ihm beliebt, in diesem Fall aber entscheidet doch nur der Gerichtsgebrauch.
Nach diesem gibt es nämlich außer den Winkeladvokaten noch kleine und große Advokaten.
Dieser Advokat und seine Kollegen sind jedoch nur die kleinen Advokaten, die großen
Advokaten aber, von denen ich nur gehört und die ich nie gesehen habe, stehen im Rang
unvergleichlich höher über den kleinen Advokaten als diese über den verachteten
Winkeladvokaten." "Die großen Advokaten?" fragte K. "Wer sind denn die? Wie kommt man
zu ihnen?" "Sie haben also noch nie von ihnen gehört", sagte der Kaufmann. "Es gibt kaum
einen Angeklagten, der nicht, nachdem er von ihnen erfahren hat, eine Zeitlang von ihnen
träumen würde. Lassen Sie sich lieber nicht dazu verführen. Wer die großen Advokaten sind,
weiß ich nicht, und zu ihnen kommen kann man wohl gar nicht. Ich kenn e keinen Fall, von
dem sich mit Bestimmtheit sagen ließe, daß sie eingegriffen hätten. Manchen verteidigen sie,
aber durch eigenen Willen kann man das nicht erreichen, sie verteidigen nur den, den sie
verteidigen wollen. Die Sache, deren sie sich annehmen, muß aber wohl über das niedrige
Gericht schon hinausgekommen sein. Im übrigen ist es besser, nicht an sie zu denken, denn
sonst kommen einem die Besprechungen mit den anderen Advokaten, deren Ra tschläge und
deren Hilfeleistungen so widerlich und nutzlos vor, ich habe es selbst erfahren, daß man am
liebsten alles wegwerfen, sich zu Hause ins Bett legen und von nichts mehr hören wollte. Das
wäre aber natürlich wieder das Dümmste, auch hätte man im Bett nicht lange Ruhe." "Sie
dachten damals also nicht an die großen Advokaten?" fragte K. "Nicht lange", sagte der
Kaufmann und lächelte wieder, "vollständig vergessen kann man sie leider nicht, besonders
die Nacht ist solchen Gedanken günstig. Aber damals wollte ich ja sofortige Erfolge, ich ging
daher zu den Winkeladvokaten."
"Wie ihr hier beieinander sitzt!" rief Leni, die mit der Tasse zurückgekommen war und in
der Tür stehenblieb. Sie saßen wirklich eng beisammen, bei der kleinsten Wendung mußten
sie mit den Köpfen aneinanderstoßen, der Kauf
auch noch den Rücken gekrümmt hielt, hatte K. gezwungen, sich auch tief zu bücken, wenn
er alles hören wollte. "Noch ein Weilchen!" rief K. Leni abwehrend zu und zuckte ungeduldig
mit der Hand, die er noch immer auf des Kaufmanns Hand liegen hatte. "Er wollte, daß ich
ihm von meinem Prozeß erzähle", sagte der Kaufmann zu Leni. "Erzähle nur, erzähle",
sagte diese. Sie sprach mit dem Kaufmann liebevoll, aber doch auch herablassend, K. gefiel
das nicht; wie er jetzt erkannt hatte, hatte der Mann doch einen gewissen Wert, zumindest
hatte er Erfahrungen, die er gut mitzuteilen verstand. Leni beurteilte ihn wahrscheinlich
unrichtig. Er sah ärgerlich zu, als Leni jetzt dem Kaufmann die Kerze, die er die ganze Zeit
über festgehalten hatte, abnahm, ihm die Hand mit ihrer Schürze abwischte und dann neben
ihm niederkniete, um etwas Wachs wegzukratzen, das von der Kerze auf seine Hose getropft
war. "Sie wollten mir von den Winkeladvokaten erzählen", sagte K. und schob, ohne eine
weitere Bemerkung, Lenis Hand weg. "Was willst du denn?" fragte Leni, schlug leicht nach
K. und setzte ihr Arbeit fort. "Ja, von den Winkeladvokaten", sagte der Kaufmann und fuhr
sich über die Stirn, als denke er nach. K. wollte ihm nachhelfen und sagte: "Sie wollten
sofortige Erfolge haben und gingen deshalb zu den Winkeladvokaten." "Ganz richtig", sagte
der Kaufmann, setzte aber nicht fort. "Er will vielleicht vor Leni nicht davon sprechen", dachte
K., bezwang seine Ungeduld, das Weitere gleich jetzt zu hören, und drang nun nicht mehr
weiter in ihn.
"Hast du mich angemeldet?" fragte er Leni. "Natürlich", sagte diese, "er wartet auf dich.
Laß jetzt Block, mit Block kannst du auch später reden, er bleibt doch hier." K. zögerte noch.
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