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"Gewiß", sagte der Kaufmann und flüsterte dann K. zu: "Man sagt sogar, daß er in diesen
Rechtssachen tüchtiger ist als in den anderen." Aber dann schien e r das Gesagte zu
bereuen, er legte K. eine Hand auf die Schulter und sagte: "Ich bitte Sie sehr, verraten Sie
mich nicht." K. klopfte ihm zur Beruhigung auf den Schenkel und sagte: "Nein, ich bin kein
Verräter." "Er ist nämlich rachsüchtig", sagte der Kaufmann. "Gegen einen so treuen
Klienten wird er gewiß nichts tun", sagte K. "O doch", sagte der Kaufmann, "wenn er
aufgeregt ist, kennt er keine Unterschiede, übrigens bin ich ihm nicht eigentlich treu." "Wieso
denn nicht?" fragte K. "Soll ich es Ihnen anvertrauen?" fragte der Kaufmann zweifelnd. "Ich
denke, Sie dürfen es", sagte K. "Nun", sagte der Kaufmann, "ich werde es Ihnen zum Teil
anvertrauen, Sie müssen mir aber auch ein Geheimnis sagen, damit wir uns gegenüber dem
Advokaten gegenseitig festhalten." "Sie sind sehr vorsichtig", sagte K., "aber ich werde
Ihnen ein Geheimnis sagen, das Sie vollständig beruhigen wird. Worin besteht also Ihre
Untreue gegenüber dem Advokaten?" "Ich habe", sagte der Kaufmann zögernd und in
einem Ton, als gestehe er etwas Unehrenhaftes ein, "ich habe außer ihm noch andere
Advokaten." "Das ist doch nichts so Schlimmes", sagte K., ein wenig enttäuscht. "Hier ja",
sagte der Kaufmann, der noch seit seinem Geständnis schwer atmete, infolge K.s Bemerkung
aber mehr Vertrauen faßte. "Es ist nicht erlaubt. Und am allerwenigsten ist es erlaubt, neben
einem sogenannten Advokaten auch noch Winkeladvokaten zu nehmen. Und gerade das
habe ich getan, ich habe außer ihm noch fünf Winkeladvokaten." "Fünf!" rief K., erst die Zahl
setzte ihn in Erstaunen, "fünf Advokaten außer diesem?" Der Kaufmann nickte: "Ich
verhandle gerade noch mit einem sechsten." "Aber wozu brauchen Sie denn soviel
Advokaten?" fragte K. "Ich brauche alle", sagte der Kaufmann. "Wollen Sie mir das nicht
erklären?" fragte K. "Gern", s
nicht verlieren, das ist doch selbstverständlich. Infolgedessen darf ich nichts, was mir nützen
könnte, außer acht lassen; selbst wenn die Hoffnung auf Nutzen in einem bestimmten Falle
nur ganz gering ist, darf ich sie auch nicht verwerfen. Ich habe deshalb alles, was ich besitze,
auf den Prozeß verwendet. So habe ich zum Beispiel alles Geld meinem Geschäft entzogen,
früher füllten die Büroräume meines Geschäfts fast ein Stockwerk, heute genügt eine kleine
Kammer im Hinterhaus, wo ich mit einem Lehrjungen arbeite. Diesen Rückgang hat natürlich
nicht nur die Entziehung des Geldes verschuldet, sondern mehr noch die E ntziehung meiner
Arbeitskraft. Wenn man für seinen Prozeß etwas tun will, kann man sich mit anderem nur
wenig befassen." "Sie arbeiten also auch selbst bei Gericht?" fragte K. "Gerade darüber
möchte ich gern etwas erfahren." "Darüber
Kaufmann, "anfangs habe ich es wohl auch versucht, aber ich habe bald wieder davon
abgelassen. Es ist zu erschöpfend und bringt nicht viel Erfolg. Selbst dort zu arbeiten und zu
unterhandeln, hat sich wenigstens für mich als ganz unmöglich erwiesen. Es ist ja dort schon
das bloße Sitzen und Warten eine große Anstrengung. Sie kennen ja selbst die schwere Luft
in den Kanzleien." "Wieso wissen Sie denn, daß ich dort war?" fragte K. "Ich war gerade im
Wartezimmer, als Sie durchgingen." "Was für ein Zufall das ist!" rief K., ganz hingenommen
und die frühere Lächerlichkeit des Kaufmanns ganz vergessend. " Sie haben mich also
gesehen! Sie waren im Wartezimmer, als ich durchging. Ja, ich bin dort einmal
durchgegangen." "Es ist kein so großer Zufall", sagte der Kaufmann, "ich bin dort fast jeden
Tag." "Ich werde nun wahrscheinlich auch öfters hingehen müs sen", sagte K., "nur werde
ich wohl kaum mehr so ehrenvoll aufgenommen werden wie damals. Alle standen auf. Man
dachte wohl, ich sei ein Richter." "Nein", sagte der Kaufmann, "wir grüßten damals den
Gerichtsdiener. Daß Sie ein Angeklagter sind, das wußten wir. Solche Nachrichten verbreiten
sich sehr rasch." "Das wußten Sie also schon", sagte K., " dann erschien Ihnen aber mein
Benehmen vielleicht hochmütig. Sprach man sich nicht darüber aus?" "Nein", sagte der
Kaufmann, "im Gegenteil. Aber das sind Dummheiten." "Was für Dummheiten denn?" fragte
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