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um, stehenbleiben ließ ihn aber K. nicht. "Ist das Ihr wirklicher Name?" fragte K. "Gewiß",
war die Antwort, "warum haben Sie denn Zweifel?" "Ich dachte, Sie könnten Grund haben,
Ihren Namen zu verschweigen", sagte K. Er fühlte sich so frei, wie man es sonst nur ist,
wenn man in der Fremde mit niedrigen Leuten spricht, alles, was einen selbst betrifft, bei sich
behält, nur gleichmütig von den Interessen der anderen redet, sie dadurch vor sich selbst
erhöht, aber auch nach Belieben fallen lassen kann. Bei der Tür de s Arbeitszimmers des
Advokaten blieb K. stehen, öffnete sie und rief dem Kaufmann, der folgsam weitergegangen
war, zu: "Nicht so eilig! Leuchten Sie hier!" K. dachte, Leni könnte sich hier versteckt haben,
er ließ den Kaufmann alle Winkel absuchen, aber das Zimmer war leer. Vor dem Bild des
Richters hielt K. den Kaufmann hinten an den Hosenträgern zurück. "Kennen Sie den?"
fragte er und zeigte mit dem Zeigefinger in die Höhe. Der Kaufmann hob die Kerze, sah
blinzelnd hinauf und sagte: "Es ist ein Richter." "Ein hoher Richter?" fragte K. und stellte
sich seitlich vor den Kaufmann, um den Eindruck, den das Bild auf ihn ma chte, zu
beobachten. Der Kaufmann sah bewundernd aufwärts. "Es ist ein hoher Richter", sagte er.
"Sie haben keinen großen Einblick", sagte K. "Unter den nied rigen Untersuchungsrichtern ist
er der niedrigste." "Nun erinnere ich mich", sagte der Kaufmann und senkte die Kerze, "ich
habe es auch schon gehört." "Aber natürlich", rief K., "ich vergaß ja, natürlich müssen Sie
es schon gehört haben." "Aber warum denn, warum denn?" fragte der Kaufmann, während
er sich, von K. mit den Händen angetrieben, zur Tür fortbewegte. Draußen auf dem Gang
sagte K.: "Sie wissen doch, wo sich Leni versteckt hat?" "Versteckt?" sagte der Kaufmann,
"nein, sie dürfte aber in der Küche sein und dem Advokaten eine Suppe kochen." "Warum
haben Sie das nicht gleich gesagt?" fragte K. "Ich wollte Sie ja hinführen, Sie haben mich
aber wieder zurückgerufen", antwortete der Kaufmann, wie verwirrt durch die
widersprechenden Befehle. "Sie glauben wohl sehr schlau zu sein", sagte K., "führen Sie
mich also!" In der Küche war K. noch nie gewesen, sie war überr aschend groß und reich
ausgestattet. Allein der Herd war dreimal so groß wie gewöhnliche Herde, von dem übrigen
sah man keine Einzelheiten, denn die Küche wurde jetzt nur von einer kleinen Lampe
beleuchtet, die beim Eingang hing. Am Herd stand Leni in weißer Schürze, wie immer, und
leerte Eier in einen Topf aus, der auf einem Spiritusfeuer stand. "Gut
sie mit einem Seitenblick. "Guten Abend", sagte K. und zeigte mit einer Hand auf einen
abseits stehenden Sessel, auf den sich der Kaufmann setzen sollte, was dieser auch tat. K.
aber ging ganz nahe hinter Leni, beugte sich über ihre Schulter und f ragte: "Wer ist der
Mann?" Leni umfaßte K. mit einer Hand, die andere quirlte die Suppe, zog ihn nach vorn zu
sich und sagte: "Es ist ein bedauernswerter Mensch, ein armer Kaufmann, ein gewisser
Block. Sieh ihn nur an." Sie blickten beide zurück. Der Kaufmann saß auf dem Sessel, auf
den ihn K. gewiesen hatte, er hatte die Kerze, deren Licht jetzt unnö tig war, ausgepustet und
drückte mit den Fingern den Docht, um den Rauch zu verhindern. "Du warst im Hemd",
sagte K. und wendete ihren Kopf mit der Hand wieder dem Herd zu. Sie schwieg. "Er ist dein
Geliebter?" fragte K. Sie wollte nach dem Suppentopf greifen, aber K. nahm ihre beiden
Hände und sagte: "Nun antworte!" Sie sagte: "Komm ins Arbeitszimmer, ich werde dir alles
erklären." "Nein", sagte K., "ich will, daß du es hier erklärst." Sie hing sich an ihn und wollte
ihn küssen. K. wehrte sie aber ab und sagte: "Ich will nicht, daß du mich jetzt küßt." "Josef",
sagte Leni und sah K. bittend und doch offen in die Augen, "du wirst doch nicht auf Herrn
Block eifersüchtig sein. Rudi", sagte sie dann, sich an den Kaufmann wendend, "so hilf mir
doch, du siehst, ich werde verdächtigt, laß die Kerze." Man hä tte denken können, er hätte
nicht achtgegeben, aber er war vollständig eingeweiht. "Ich wüßte auch nicht, warum Sie
eifersüchtig sein sollten", sagte er wenig schlagfertig. "Ich weiß es eigentlich auch nicht",
sagte K. und sah den Kaufmann lächelnd an. Leni lachte laut, benützte die
Unaufmerksamkeit K.s, um sich in seinen Arm einzuhängen, und flüsterte: "Laß ihn jetzt, du
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