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kommt mein Diener und wird sie holen." "Es ist nicht nötig", sagte der Maler. "Ich hoffe, ich
werden Ihnen einen Träger verschaffen können, der gleich mit Ihnen gehen wird." Und er
beugte sich endlich über das Bett und sperrte die Tür auf. "Ste igen Sie ohne Scheu auf das
Bett", sagte der Maler, "das tut jeder, der hier hereinkommt." K. hätte auch ohne diese
Aufforderung keine Rücksicht genommen, er hatte sogar schon einen Fuß mitten auf das
Federbett gesetzt, da sah er durch die offene Tür hinaus und zog den Fuß wieder zurück.
"Was ist das?" fragte er den Maler. "Worüber staunen Sie?" fragte dieser, seinerseits
staunend. "Es sind die Gerichtskanzleien. Wußten Sie nicht, daß hier Gerichtskanzleien
sind? Gerichtskanzleien sind doch fast auf jedem Dachboden, warum sollten sie gerade hier
fehlen? Auch mein Atelier gehört eigentlich zu den Gerichtskanzleien, das Gericht hat es mir
aber zur Verfügung gestellt." K. erschrak nicht so sehr darüber , daß er auch hier
Gerichtskanzleien gefunden hatte, er erschrak hauptsächlich über s ich, über seine
Unwissenheit in Gerichtssachen. Als eine Grundregel für das Verhalten eines Angeklagten
erschien es ihm, immer vorbereitet zu sein, sich niemals überraschen zu lassen, nicht
ahnungslos nach rechts zu schauen, wenn links der Richter neben ihm stan d und gerade
gegen diese Grundregel verstieß er immer wieder. Vor ihm dehnte sich ein langer Gang, aus
dem eine Luft wehte, mit der verglichen die Luft im Atelier erfrischend war. Bänke waren zu
beiden Seiten des Ganges aufgestellt, genau so wie im Wartezimmer der Ka nzlei, die für K.
zuständig war. Es schienen genaue Vorschriften für die Einrichtung von Kanzleien zu
bestehen. Augenblicklich war der Parteienverkehr hier nicht sehr groß. Ein Mann saß dort
halb liegend, das Gesicht hatte er auf der Bank in seine Arme vergraben und schien zu
schlafen; ein anderer stand im Halbdunkel am Ende des Ganges. K. stieg nun über das Bett,
der Maler folgte ihm mit den Bildern. Sie trafen bald einen Gerichtsdiener K. erkannte jetzt
schon alle Gerichtsdiener an dem Goldknopf, den diese an ihrem Zivilanzu g unter den
gewöhnlichen Knöpfen hatten und der Maler gab ihm den Auftrag , K. mit den Bildern zu
begleiten. K. wankte mehr, als er ging, das Taschentuch hielt er an den Mund gedrückt. Sie
waren schon nahe am Ausgang, da stürmten ihnen die Mädchen entgegen, die also K. auch
nicht erspart geblieben waren. Sie hatten offenbar gesehen, daß die zweite Tür des Ateliers
geöffnet worden war und hatten den Umweg gemacht, um von dieser Seite einzudringen.
"Ich kann Sie nicht mehr begleiten!" rief der Maler lachend unter dem Andrang der Mädchen.
"Auf Wiedersehen! Und überlegen Sie nicht zu lange!" K. sah sich nicht einmal nach ihm um.
Auf der Gasse nahm er den ersten Wagen, der ihm in den Weg kam. Es lag ihm daran, den
Diener loszuwerden, dessen Goldknopf ihm unaufhörlich in die Augen stach, wenn er auch
sonst wahrscheinlich niemanden auffiel. In seiner Dienstfertigkeit wollte sich der Diener noch
auf den Kutschbock setzen. K. jagte ihn aber hinunter. Mittag war schon längst vorüber, als K.
vor der Bank ankam. Er hätte gern die Bilder im Wagen gelassen, fürchtete aber, bei
irgendeiner Gelegenheit genötigt zu werden, sich dem Maler gegenüb er mit ihnen
auszuweisen. Er ließ sie daher in sein Büro schaffen und versperrte sie in die unterste Lade
seines Tisches, um sie wenigstens für die allernächsten Tage vor d en Blicken des Direktor-
Stellvertreters in Sicherheit zu bringen.
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