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und sagte: "Sie scheinen im Hause sehr beliebt zu sein." "Ach, die Fratzen!" sagte der
Maler und suchte vergebens sein Nachthemd am Halse zuzuknöpfen. Er war im übrigen
bloßfüßig und nur noch mit einer breiten, gelblichen Leinenhose bekleidet, die mit einem
Riemen festgemacht war, dessen langes Ende frei hin und her schlug. "Diese Fratzen sind
mir eine wahre Last", fuhr er fort, während er vom Nachthemd, dessen letzter Knopf gerade
abgerissen war, abließ, einen Sessel holte und K. zum Niedersetzen nö tigte. "Ich habe eine
von ihnen sie ist heute nicht einmal dabei einmal gemalt, und seitdem verfolgen mich alle.
Wenn ich selbst hier bin, kommen sie nur herein, wenn ich es erlaube, bin ich aber einmal
weg, dann ist immer zumindest eine da. Sie haben sich einen Schlüssel zu meiner Tür
machen lassen, den sie untereinander verleihen. Man kann sich kaum vorstellen, wie lästig
das ist. Ich komme zum Beispiel mit einer Dame, die ich malen soll, nach Hause, öffne die
Tür mit meinem Schlüssel und finde etwa die Bucklige dort beim Tischchen, wie sie sich mit
dem Pinsel die Lippen rot färbt, während ihre kleinen Geschwister, die sie zu beaufsichtigen
hat, sich herumtreiben und das Zimmer in allen Ecken verunreinigen. Oder ich komme, wie es
mir erst gestern geschehen ist, spätabends nach Hause entschuldi gen Sie, bitte, mit
Rücksicht darauf meinen Zustand und die Unordnung im Zimmer , als o ich komme
spätabends nach Hause und will ins Bett steigen, da zwickt mich etwas ins Bein, ich schaue
unter das Bett und ziehe wieder so ein Ding heraus. Warum sie sich so zu mir drängen, weiß
ich nicht, daß ich sie nicht zu mir zu locken suche, dürften Sie eben bemerkt haben. Natürlich
bin ich dadurch auch in meiner Arbeit gestört. Wäre mir dieses Atelier nicht umsonst zur
Verfügung gestellt, ich wäre schon längst ausgezogen." Gerad e rief hinter der Tür ein
Stimmchen, zart und ängstlich: "Titorelli, dürfen wir schon kommen?" "Nein", antwortete der
Maler. "Ich allein auch nicht?" fragte es wieder. "Auch nicht", sagte der Maler, ging zur Tür
und sperrte sie ab.
K. hatte sich inzwischen im Zimmer umgesehen, er wäre niemals selbst auf den Gedanken
gekommen, daß man dieses elende kleine Zimmer ein Atelier nennen könnte. Mehr als zwei
lange Schritte konnte man der Länge und Quere nach kaum hier machen. Alles, Fußboden,
Wände und Zimmerdecke, war aus Holz, zwischen den Balken sah man schm ale Ritzen. K.
gegenüber stand an der Wand das Bett, das mit verschiedenfarbigem Bettzeug überladen
war. In der Mitte des Zimmers war auf einer Staffelei ein Bild, das mit einem Hemd verhüllt
war, dessen Ärmel bis zum Boden baumelten. Hinter K. war das Fenster, durch das man in
Nebel nicht weiter sehen konnte als über das mit Schnee bedeckte Dach des
Nachbarhauses.
Das Umdrehen des Schlüssels im Schloß erinnerte K. daran, daß er bald hatte weggehen
wollen. Er zog daher den Brief des Fabrikanten aus der Tasche, reichte ihn dem Maler und
sagte: "Ich habe durch diesen Herrn, Ihren Bekannten, von Ihnen erfahren und bin auf seinen
Rat hin gekommen." Der Maler las den Brief flüchtig durch und warf ihn aufs Bett. Hätte der
Fabrikant nicht auf das bestimmteste von Titorelli als von seinem Bekannten gesprochen, als
von einem armen Menschen, der auf seine Almosen angewiesen war, so hä tte man jetzt
wirklich glauben können, Titorelli kenne den Fabrikanten nicht oder w isse sich an ihn
wenigstens nicht zu erinnern. Überdies fragte nun der Maler: "Wollen Sie Bilder kaufen oder
sich selbst malen lassen?" K. sah den Maler erstaunt an. Was stand denn eigentlich in dem
Brief? K. hatte es als selbstverständlich angenommen, daß der Fabrikant in dem Brief den
Maler davon unterrichtet hatte, daß K. nichts anderes wollte, als sich hier wegen seines
Prozesses zu erkundigen. Er war doch gar zu eilig und unüberlegt hierhergelaufen! Aber er
mußte jetzt dem Maler irgendwie antworten und sagte mit einem Blick auf die Staffelei: "Sie
arbeiten gerade an einem Bild?" "Ja", sagte der Maler und warf das Hemd, das über der
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