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sich aber wirklich so, in welcher Weise würden sie bei K.s Prozeß eingreifen, der, wie der
Advokat erklärte, ein sehr schwieriger, also wichtiger Prozeß war und gleich anfangs bei
Gericht große Aufmerksamkeit erregt hatte? Es konnte nicht sehr zweifelhaft sein, was sie tun
würden. Anzeichen dessen konnte man ja schon darin sehen, daß die erste Eingabe noch
immer nicht überreicht war, obwohl der Prozeß schon Monate dauerte und daß sich alles, den
Angaben des Advokaten nach, in den Anfängen befand, was natürlich sehr geeignet war, den
Angeklagten einzuschläfern und hilflos zu erhalten, um ihn dann plötzlich mit der
Entscheidung zu überfallen oder wenigstens mit der Bekanntmachung, daß die zu seinen
Ungunsten abgeschlossene Untersuchung an die höheren Behörden weitergegeben werde.
Es war unbedingt nötig, daß K. selbst eingriff. Gerade in Zuständen großer Müdigkeit, wie
an diesem Wintervormittag, wo ihm alles willenlos durch den Kopf zog, war diese
Überzeugung unabweisbar. Die Verachtung, die er früher für den Prozeß gehabt hatte, galt
nicht mehr. Wäre er allein in der Welt gewesen, hätte er den Prozeß leicht mißachten können,
wenn es allerdings auch sicher war, daß dann der Prozeß überhaupt nicht entstanden wäre.
Jetzt aber hatte ihn der Onkel schon zum Advokaten gezogen, Familienrücksichten sprachen
mit; seine Stellung war nicht mehr vollständig unabhängig von dem Verlauf des Prozesses, er
selbst hatte unvorsichtigerweise mit einer gewissen unerklärlichen Genugtuung vor
Bekannten den Prozeß erwähnt, andere hatten auf unbekannte Weise davon erfahren, das
Verhältnis zu Fräulein Bürstner schien entsprechend dem Prozeß zu schwanken kurz, er
hatte kaum mehr die Wahl, den Prozeß anzunehmen oder abzulehnen, er stand mitten darin
und mußte sich wehren. War er müde, dann war es schlimm.
Zu übertriebener Sorge war allerdings vorläufig kein Grund. Er hatte es verstanden, sich in
der Bank in verhältnismäßig kurzer Zeit zu seiner hohen Stellung emporzuarbeiten und sich,
von allen anerkannt, in dieser Stellung zu erhalten, er mußte jetzt nur diese Fähigkeiten, die
ihm das ermöglicht hatten, ein wenig dem Prozeß zuwenden, und es war kein Zweifel, daß es
gut ausgehen müßte. Vor allem war es, wenn etwas erreicht werden sollte, notwendig, jeden
Gedanken an eine mögliche Schuld von vornherein abzulehnen. Es gab keine Schuld. Der
Prozeß war nichts anderes als ein großes Geschäft, wie er es schon oft mit Vorteil für die
Bank abgeschlossen hatte, ein Geschäft, innerhalb dessen, wie das die Regel war,
verschiedene Gefahren lauerten, die eben abgewehrt werden mußten. Zu diesem Zwecke
durfte man allerdings nicht mit Gedanken an irgendeine Schuld spielen, s ondern den
Gedanken an den eigenen Vorteil möglichst festhalten. Von diesem Gesichtspunkt aus war
es auch unvermeidlich, dem Advokaten die Vertretung sehr bald, am besten noch an diesem
Abend, zu entziehen. Es war zwar nach seinen Erzählungen etwas Unerhörtes und
wahrscheinlich sehr Beleidigendes, aber K. konnte nicht dulden, daß seinen Anstrengungen
in dem Prozeß Hindernisse begegneten, die vielleicht von seinem eigenen Advokaten
veranlaßt waren. War aber einmal der Advokat abgeschüttelt, dann mußte die Eingabe sofort
überreicht und womöglich jeden Tag darauf gedrängt werden, daß man sie berücksichtige. Zu
diesem Zwecke würde es natürlich nicht genügen, daß K. wie die anderen im Gang saß und
den Hut unter die Bank stellte. Er selbst oder die Frauen oder andere Boten mußten Tag für
Tag die Beamten überlaufen und sie zwingen, statt durch das Gitter auf den Gang zu
schauen, sich zu ihrem Tisch zu setzen und K.s Eingabe zu studieren. Von diesen
Anstrengungen dürfte man nicht ablassen, alles müßte organisiert und überwacht werden,
das Gericht sollte einmal auf einen Angeklagten stoßen, der sein Recht zu wahren verstand.
Wenn sich aber auch K. dies alles durchzuführen getraute, die Schwierigkeit der
Abfassung der Eingabe war überwältigend.
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