| |
große Organismus sich selbst für die kleine Störung leicht an einer anderen Stelle alles ist
doch in Verbindung Ersatz schafft und unverändert bleibt, wenn er nicht etwa, was sogar
wahrscheinlich ist, noch geschlossener, noch aufmerksamer, noch strenger, noch böser wird.
Man überlasse doch die Arbeit dem Advokaten, statt sie zu stören. Vorwürfe nützen ja nicht
viel, besonders wenn man ihre Ursachen in ihrer ganzen Bedeutung nicht b egreiflich machen
kann, aber gesagt müsse es doch werden, wieviel K. seiner Sache durch das Verhalten
gegenüber dem Kanzleidirektor geschadet habe. Dieser einflußreiche Mann sei aus der Liste
jener, bei denen man für K. etwas unternehmen könne, schon fast zu streichen. Selbst
flüchtige Erwähnungen des Prozesses überhöre er
ja die Beamten wie Kinder. Oft können sie durch Harmlosigkeiten, unter die allerdings K.s
Verhalten leider nicht gehöre, derartig verletzt werden, daß sie selbst mit guten Freunden zu
reden aufhören, sich von ihnen abwenden, wenn sie ihnen begegnen, und ihnen in allem
möglichen entgegenarbeiten. Dann aber einmal, überraschenderweise ohne besonderen
Grund, lassen sie sich durch einen kleinen Scherz, den man nur deshalb wagt, weil alles
aussichtslos scheint, zum Lachen bringen und sind versöhnt. Es sei eb en gleichzeitig schwer
und leicht, sich mit ihnen zu verhalten, Grundsätze dafür gibt es kaum. Manchmal sei es zum
Verwundern, daß ein einziges Durchschnittsleben dafür hinreiche, um so viel zu erfassen,
daß man hier mit einigem Erfolg arbeiten könne. Es kommen allerdings trübe Stunden, wie
sie ja jeder hat, wo man glaubt, nicht das geringste erzielt zu haben, wo es einem scheint, als
hätten nur die von Anfang an für einen guten Ausgang bestimmten Pr ozesse ein gutes Ende
genommen, wie es auch ohne Mithilfe geschehen wäre, während alle a nderen
verlorengegangen sind, trotz allem Nebenherlaufen, aller Mühe, allen kleinen, scheinbaren
Erfolgen, über die man solche Freude hatte. Dann scheint einem allerdings nichts mehr
sicher, und man würde auf bestimmte Fragen hin nicht einmal zu leugnen wagen, daß man
ihrem Wesen nach gut verlaufende Prozesse gerade durch die Mithilfe auf Abwege gebracht
hat. Auch das ist ja eine Art Selbstvertrauen, aber es ist das einzige, das dann übrigbleibt.
Solchen Anfällen es sind natürlich nur Anfälle, nichts weiter sind Advokaten besonders
dann ausgesetzt, wenn ihnen ein Prozeß, den sie weit genug und zufrie denstellend geführt
haben, plötzlich aus der Hand genommen wird. Das ist wohl das Ärgste, das einem
Advokaten geschehen kann. Nicht etwa durch den Angeklagten wird ihnen der Prozeß
entzogen, das geschieht wohl niemals, ein Angeklagter, der einmal einen bestimmten
Advokaten genommen hat, muß bei ihm bleiben, geschehe was immer. Wie könnte er sich
überhaupt, wenn er einmal Hilfe in Anspruch genommen hat, allein noch erhalten? Das
geschieht also nicht, wohl aber geschieht es manchmal, daß der Prozeß eine Richtung
nimmt, wo der Advokat nicht mehr mitkommen darf. Der Prozeß und der Angeklagte und alles
wird dem Advokaten einfach entzogen; dann können auch die besten Beziehungen zu den
Beamten nicht mehr helfen, denn sie selbst wissen nichts. Der Prozeß ist eben in ein Stadium
getreten, wo keine Hilfe mehr geleistet werden darf, wo ihn unzugängliche Gerichtshöfe
bearbeiten, wo auch der Angeklagte für den Advokaten nicht mehr erreichbar ist. Man kommt
dann eines Tages nach Hause und findet auf seinem Tisch alle die vielen Eingaben, die man
mit allem Fleiß und mit den schönsten Hoffnungen in dieser Sache g emacht hat, sie sind
zurückgestellt worden, da sie in das neue Prozeßstadium nicht übertragen werden dürfen, es
sind wertlose Fetzen. Dabei muß der Prozeß noch nicht verloren sein, durchaus nicht,
wenigstens liegt kein entscheidender Grund für diese Annahme vor, man weiß bloß nichts
mehr von dem Prozeß und wird auch nichts mehr von ihm erfahren. Nun sind ja solche Fälle
glücklicherweise Ausnahmen, und selbst wenn K.s Prozeß ein solcher Fall sein sollte, sei er
doch vorläufig noch weit von solchem Stadium entfernt. Hier sei aber noch reichliche
Gelegenheit für Advokatenarbeit gegeben, und daß sie ausgenützt werde, dessen dürfe K.
sicher sein. Die Eingabe sei, wie erwähnt, noch nicht überreicht, das eile aber auch nicht, viel
|  |
|
| |
|
|