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Der Prozess

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Aufseher. "Ich meine", sagte nun K. ohne weitere Pause, "ich bin allerdings sehr überrascht, aber man ist, wenn man dreißig Jahre auf der Welt ist und sich allein hat durchschlagen müssen, wie es mir beschieden war, gegen Überraschungen abgehär tet und nimmt sie nicht zu schwer. Besonders die heutige nicht." "Warum besonders die heutige nicht?" "Ich will nicht sagen, daß ich das Ganze für einen Spaß ansehe, dafür  scheinen mir die Veranstaltungen, die gemacht wurden, doch zu umfangreich. Es müßten alle Mitglieder der Pension daran beteiligt sein und auch Sie alle, das ginge über die Gr enzen eines Spaßes. Ich will also nicht sagen, daß es ein Spaß ist." "Ganz richtig" , sagte der Aufseher und sah nach, wieviel Zündhölzchen in der Zündhölzchenschachtel waren. "Andererseits aber", fuhr K. fort und wandte sich hierbei an alle und hätte gern sogar die drei bei den  Photographien sich zugewendet, "andererseits aber kann die Sache auch nicht viel Wichtigkeit haben. Ich folgere das daraus, daß ich angeklagt bin, aber nicht die geringste Schuld au ffinden kann, wegen deren man mich anklagen könnte. Aber auch das wem bin ich angeklagt? Welche Behörde führt das eine Uniform, wenn man nicht Ihr Kleid" – hier wandte er sich an Franz – "eine Uniform nennen will, aber es ist doch eher ein Reiseanzug. In diesen Fragen verl ange ich Klarheit, und ich bin überzeugt, daß wir nach dieser Klarstellung voneinander den herzlichsten Abschied werden nehmen können." Der Aufseher schlug die Zündhö lzchenschachtel auf den Tisch nieder. "Sie befinden sich in einem großen Irrtum", sagte er. "Diese Herren hier und ich sind für Ihre Angelegenheit vollständig nebensächlich, ja w ir wissen sogar von ihr fast nichts. Wir könnten die regelrechtesten Uniformen tragen, und Ihre Sache würde um nichts schlechter stehen. Ich kann Ihnen auch durchaus nicht sagen, daß Sie angeklagt sind oder vielmehr, ich weiß nicht, ob Sie es sind. Sie sind verhaftet, das ist richtig, mehr weiß ich nicht. Vielleicht haben die Wächter etwas anderes geschwätzt, dann ist es  eben nur Geschwätz gewesen. Wenn ich nun aber auch Ihre Fragen nicht beantworte, so kann ich Ihnen doch raten, denken Sie weniger an uns und an das, was mit Ihnen geschehen wir d, denken Sie lieber mehr an sich. Und machen Sie keinen solchen Lärm mit dem Gefühl Ihrer Unschuld, es stört den nicht gerade schlechten Eindruck, den Sie im übrigen machen. Auch sollten Sie überhaupt im Reden zurückhaltender sein, fast alles, was Sie vorhin gesagt haben, hätte man auch, wenn Sie nur ein paar Worte gesagt hätten, Ihrem Verhalten entnehmen können, außerdem war es nichts für Sie übermäßig Günstiges."  K. starrte den Aufseher an. Schulmäßige Lehren bekam er hier von einem vielleicht jüngeren Menschen? Für seine Offenheit wurde er mit einer Rüge bestraft? Und über den Grund seiner Verhaftung und über deren Auftraggeber erfuhr er nichts? Er geriet in eine gewisse Aufregung, ging auf und ab, woran ihn niemand hinderte, schob seine Manschetten zurück, befühlte die Brust, strich sein Haar zurecht, kam an den drei Herren vorüber, sagte: "Es ist ja sinnlos", worauf sich diese zu ihm umdrehten und ihn entgegenkommend, aber ernst ansahen und machte endlich wieder vor dem Tisch des Aufsehers halt. "Der Staatsanwalt Hasterer ist mein guter Freund", sagte er, "kann ich ihm telephonieren?", "Gewiß", sagte der Aufseher, "aber ich weiß nicht, welchen Sinn das haben sollte, es müßte denn sein, daß Sie irge ndeine private Angelegenheit mit ihm zu besprechen haben." "Welchen Sinn?" rief K., mehr bestürzt als geärgert. "Wer sind Sie denn? Sie wollen einen Sinn und führen  dieses Sinnloseste auf, das es gibt? Ist es nicht zum Steinerweichen? Die Herren haben mich zuerst ü berfallen, und jetzt sitzen oder stehen sie hier herum und lassen mich vor Ihnen die Hohe Sch ule reiten. Welchen Sinn es hätte, an einen Staatsanwalt zu telephonieren, wenn i ch angeblich verhaftet bin? Gut, ich werde nicht telephonieren." "Aber doch", sagte der Aufseher und streckte die Hand zum Vorzimmer aus, wo das Telephon war, "bitte, telephonieren Sie doch." "Nein, ich will nicht mehr", sagte K. und ging zum Fenster. Drüben war noch die Gesellschaft beim Fenster und schien nur jetzt dadurch, daß K. ans Fenster herangetrete n war, in der Ruhe des
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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