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Der Prozess

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hing, er beugte sich vor, um es besser zu sehen. Es stellte einen Mann im Richtertalar dar; er saß auf einem hohen Thronsessel, dessen Vergoldung vielfach aus dem B ilde hervorstach. Das Ungewöhnliche war, daß dieser Richter nicht in Ruhe und Würde dort saß, sondern den linken Arm fest an Rücken- und Seitenlehne drückte, den rechten Arm aber völlig frei hatte und nur mit der Hand die Seitenlehne umfaßte, als wolle er im nächsten Augenblick mit einer heftigen und vielleicht empörten Wendung aufspringen, um etwas Entscheidendes zu sagen oder gar das Urteil zu verkünden. Der Angeklagte war wohl zu Füß en der Treppe zu denken, deren oberste, mit einem gelben Teppich bedeckte Stufen noch auf dem Bilde zu sehen waren. "Vielleicht ist das mein Richter", sagte K. und zeigte mit einem Finger auf das Bild. "Ich kenne ihn", sagte Leni und sah auch zum Bilde auf, "er kommt öfters hierher. Das Bild stammt aus seiner Jugend, er kann aber niemals dem Bilde auch nur ähnlich gewesen sein, denn er ist fast winzig klein. Trotzdem hat er sich auf dem Bild so in die Länge ziehen lassen, denn er ist unsinnig eitel, wie alle hier. Aber auch ich bin eitel und sehr unzufrieden damit, daß ich Ihnen gar nicht gefalle." Auf die letzte Bemerkung antwortete K. nur damit, daß er Leni umfaßte und an sich zog, sie lehnte still den Kopf an seine Schulter. Zu dem Übrigen aber sagte er: "Was für einen Rang hat er?" "Er ist Untersuchungsrichter", sagte sie, ergriff K.s Hand, mit der er sie umfaßt hielt, und spielte mit seinen Fingern. "Wieder nur Untersuchungsrichter", sagte K. enttäuscht, "die hohen Beamten  verstecken sich. Aber er sitzt doch auf einem Thronsessel." "Das ist alles Erfindung", s agte Leni, das Gesicht über K.s Hand gebeugt, "in Wirklichkeit sitzt er auf einem Küchensessel , auf dem eine alte Pferdedecke zusammengelegt ist. Aber müssen Sie denn immerfort an Ihren Prozeß denken?" fügte sie langsam hinzu. "Nein, durchaus nicht", sagte K., "ich denke wahrscheinlich sogar zu wenig an ihn." "Das ist nicht der Fehler, den Sie machen", sagte Leni, "Sie sind zu unnachgiebig, so habe ich es gehört." "We r hat das gesagt?" fragte K., erfühlte ihren Körper an seiner Brust und sah auf ihr reiches, dunkles, fest gedrehtes Harr hinab. "Ich würde zuviel verraten, wenn ich das sagte", antwortete Leni. "Fragen Sie, bitte, nicht nach Namen, stellen Sie aber Ihren Fehler ab, seien Sie nicht mehr so unnachgiebig, gegen dieses Gericht kann man sich ja nicht wehren, man muß das Gestä ndnis machen. Machen Sie doch bei nächster Gelegenheit das Geständnis. Erst dann  ist die Möglichkeit zu entschlüpfen gegeben, erst dann. Jedoch selbst das ist ohne fremde Hilfe nicht möglich, wegen dieser Hilfe aber müssen Sie sich nicht ängstigen, die will ich Ihnen selbst leisten." "Sie verstehen viel von diesem Gericht und von den Betrügereien, die hier nötig sind", sagte K. und hob sie, da sie sich allzu stark an ihn drängte, auf seinen Schoß. "So ist es gut", sagte sie und richtete sich auf seinem Schoß ein, indem sie den Rock glättete und die Bluse zurechtzog. Dann hing sie sich mit beiden Händen an seinen Hals, lehn te sich zurück und sah ihn lange an. "Und wenn ich das Geständnis nicht mache, dann können Sir mir nicht helfen?" fragte K. versuchsweise. Ich werbe Helferinnen, dachte er fast verwundert, zuerst Fräulein Bürstner, dann die Frau des Gerichtsdieners und endlich diese kleine  Pflegerin, die ein unbegreifliches Bedürfnis nach mir zu haben scheint. Wie sie auf meinem Schoß sitzt, als sei es ihr einzig richtiger Platz! "Nein", antwortete Leni und schüttelte langsam den Kopf, "dann kann ich Ihnen nicht helfen. Aber Sie wollen ja meine Hilfe gar nicht, es liegt Ihnen nichts daran, Sie sind eigensinnig und lassen sich nicht überzeugen." " Haben Sie eine Geliebte?" fragte sie nach einem Weilchen. "Nein", sagte K. "O doch", sagte sie. "Ja wirklich", sagte K., "denken Sie nur, ich habe sie verleugnet und trage doch sogar ihr e Photographie bei mir." Auf ihre Bitten zeigte er ihr eine Photographie Elsas, zusammengekrümmt auf seinem Schoß, studierte sie das Bild. Es war eine Momentphotographie, Elsa war nach einem Wirbeltanz aufgenommen, wie sie ihn in dem Weinlokal gern tanzte, ihr Rock flog noch im Faltenwurf der Drehung um sie her, die Hände hatte sie auf die festen Hüften gelegt und sah mit straffem Hals lachend zur Seite; wem ihr Lachen galt, konnte man aus  dem Bild nicht
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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