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zugetraut hätte. Der Befehl selbst war ihm sehr willkommen. "Endlich!" rief er zurück,
versperrte den Wandschrank und eilte sofort ins Nebenzimmer. Dort stande n die zwei
Wächter und jagten ihn, als wäre das selbstverständlich, wieder in sein Zimmer zurück. "Was
fällt Euch ein?" riefen sie. "Im Hemd wollt Ihr vor den Aufseher? Er läßt Euch durchprügeln
und uns mit!" "Laßt mich, zum Teufel!" rief K., der schon bis zu seinem Kleiderkasten
zurückgedrängt war, "wenn man mich im Bett überfällt, kann man nicht erwarten, mich im
Festanzug zu finden." "Es hilft nichts", sagten die Wächter, die immer, wenn K. schrie, ganz
ruhig, ja fast traurig wurden und ihn dadurch verwirrten oder gewissermaßen zur Besinnung
brachten. "Lächerliche Zeremonien!" brummte er noch, hob aber schon einen Rock vom
Stuhl und hielt ihn ein Weilchen mit beiden Händen, als unterbreite er ihn dem Urteil der
Wächter. Sie schüttelten die Köpfe. "Es muß ein schwarzer Rock sein", sagten sie. K. warf
daraufhin den Rock zu Boden und sagte er wußte selbst nicht, in welchem Sinne er es
sagte : "Es ist doch noch nicht die Hauptverhandlung." Die Wächter lächelten, blieben aber
bei ihrem: "Es muß ein schwarzer Rock sein." "Wenn ich dadur ch die Sache beschleunige,
soll es mir recht sein", sagte K., öffnete den Kleiderkasten, suchte lange unter den vielen
Kleidern, wählte sein bestes schwarzes Kleid, ein Jackettkleid, das durch seine Taille unter
den Bekannten fast Aufsehen gemacht hatte, zog nun auch ein anderes Hemd hervor und
begann, sich sorgfältig anzuziehen. Im geheimen glaubte er, eine Besc hleunigung des
Ganzen damit erreicht zu haben, daß die Wächter vergessen hatten, ihn zum Bad zu
zwingen. Er beobachtete sie, ob sie sich vielleicht daran doch erinnern würden, aber das fiel
ihnen natürlich gar nicht ein, dagegen vergaß Willem nicht, Franz mit der Meldung, daß sich
K. anziehe, zum Aufseher zu schicken.
Als er vollständig angezogen war, mußte er knapp vor Willem durch das leere
Nebenzimmer in das folgende Zimmer gehen, dessen Tür mit beiden Flügeln bereits geöffnet
war. Dieses Zimmer wurde, wie K. genau wußte, seit kurzer Zeit von einem Fräulein Bürstner,
einer Schreibmaschinistin, bewohnt, die sehr früh in die Arbeit zu gehen pflegte, spät nach
Hause kam und mit der K. nicht viel mehr als die Grußworte gewechselt hatte. Jetzt war das
Nachttischchen von ihrem Bett als Verhandlungstisch in die Mitte des Zimmers gerückt, und
der Aufseher saß hinter ihm. Er hatte die Beine übereinandergeschlagen und einen Arm auf
die Rückenlehne des Stuhles gelegt.
In einer Ecke des Zimmers standen drei junge Leute und sahen die Photographien des
Fräulein Bürstner an, die in einer an der Wand aufgehängten Matte steckten. An der Klinke
des offenen Fensters hing eine weiße Bluse. Im gegenüberliegenden Fenster lagen wieder
die zwei Alten, doch hatte sich ihre Gesellschaft vergrößert, denn hinter ihnen, sie weit
überragend, stand ein Mann mit einem auf der Brust offenen Hemd, der seinen rötlichen
Spitzbart mit den Fingern drückte und drehte. "Josef K.?" fragte der Aufseher, vielleicht nur
um K.s zerstreute Blicke auf sich zu lenken. K. nickte. "Sie sind durch die Vorgänge des
heutigen Morgens wohl sehr überrascht?" fragte der Aufseher und verschob dabei mit beiden
Händen die wenigen Gegenstände, die auf dem Nachttischchen lagen, die Kerze mit
Zündhölzchen, ein Buch und ein Nadelkissen, als seien es Gegenstä nde, die er zur
Verhandlung benötige. "Gewiß", sagte K., und das Wohlgefühl, endlich einem vernünftigen
Menschen gegenüberzustehen und über seine Angelegenheit mit ihm sp rechen zu können,
ergriff ihn. "Gewiß, ich bin überrascht, aber ich bin keineswegs sehr überrascht." "Nicht sehr
überrascht?" fragte der Aufseher und stellte nun die Kerze in die Mitte des Tischchens,
während er die anderen Sachen um sie gruppierte
beeilte sich K. zu bemerken. "Ich meine" hier unterbrach sich K. und sah sich nach einem
Sessel um. "Ich kann mich doch setzen?" fragte
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