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Der Prozess

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leisten müssen, als es der Wachdienst ist, und überdies bekommen w ir jetzt diese schrecklich schmerzhaften Prügel." "Kann denn die Rute solche Schmerzen machen?" fragte K. und prüfte die Rute, die der Prügler vor ihm schwang. "Wir werden uns ja ganz nackt ausziehen müssen", sagte Willem. "Ach so", sagte K. und sah den Prügler genau an, er war braun gebrannt wie ein Matrose und hatte ein wildes, frisches Gesicht. "Gibt es keine Möglichkeit, den beiden die Prügel zu ersparen?" fragte er ihn. "Nein", sagte der Prügler und schüttelte lächelnd den Kopf. "Zieht euch aus!" befahl er den Wächtern.  Und zu K. sagte er: "Du mußt ihnen nicht alles glauben, sie sind durch die Angst vor den Prügeln s chon ein wenig schwachsinnig geworden. Was dieser hier, zum Beispiel" – er zeigte auf Willem – "über seine mögliche Laufbahn erzählt hat, ist geradezu lächerlich. Sieh an, wie fett er ist – die ersten Rutenstreiche werden überhaupt im Fett verlorengehen. – Weißt du, wodurch er so fett geworden ist? Er hat die Gewohnheit, allen Verhafteten das Frühstück aufzuessen. Hat er nicht auch dein Frühstück aufgegessen? Nun, ich sagte es ja. Aber  ein Mann mit einem solchen Bauch kann nie und nimmermehr Prügler werden, das ist ganz ausgeschlossen." "Es gibt auch solche Prügler", behauptete Willem, der gerade seinen Hosengürtel löste. "Nein", sagte der Prügler und strich ihm mit der Rute derartig über den Hals, daß er zusammenzuckte, "du sollst nicht zuhören, sondern dich ausziehen." "Ich würde dich gut belohnen, wenn du sie laufen läßt", sagte K. und zog, ohne den Prügler nochmals anzusehen – solche Geschäfte werden beiderseits mit niedergeschlagenen Augen  am besten abgewickelt – seine Brieftasche hervor. "Du willst wohl dann auch  mich anzeigen", sagte der Prügler, "und auch noch mir Prügel verschaffen. Nein, nein!" "Sei doch vernünftig", sagte K., "wenn ich gewollt hätte, daß diese beiden bestraft werden, wü rde ich sie doch jetzt nicht loskaufen wollen. Ich könnte einfach die Tür hier zuschlagen, nichts weiter sehen und hören wollen und nach Hause gehen. Nun tue ich das aber nicht, vielmehr liegt mir ernstlich daran, sie zu befreien; hätte ich geahnt, daß sie bestraft werden sollen  oder auch nur bestraft werden können, hätte ich ihre Namen nie genannt. Ich halte sie nä mlich gar nicht für schuldig, schuldig ist die Organisation, schuldig sind die hohen Beamten." "So ist es!" riefen die Wächter und bekamen sofort einen Hieb über ihren schon entkleideten Rücken. "Hättest du hier unter deiner Rute einen hohen Richter", sagte K. und drückte, während er sprach, die Rute, die sich schon wieder erheben wollte, nieder, "ich würde dich wahrhaftig nicht hindern, loszuschlagen, im Gegenteil, ich würde dir noch Geld geben, damit du dich für die gute Sache kräftigst." "Was du sagst, klingt ja glaubwürdig", sagte der Prügler, "aber ich lasse mich nicht bestechen. Ich bin zum Prügeln angestellt, also prügle ich." Der Wächter Franz, der vielleicht in Erwartung eines guten Ausgangs des Eingreifens von K. bisher ziemlich zurückhaltend gewesen war, trat jetzt, nur noch mit den Hosen bekleidet, zur Tür, hing sich niederkniend an K.s Arm und flüsterte: "Wenn du für uns beide S chonung nicht durchsetzen kannst, so versuche wenigstens, mich zu befreien. Willem ist älter als ich, in jeder Hinsicht weniger empfindlich, auch hat er schon einmal vor ein paar Jahren eine leichte Prügelstrafe bekommen, ich aber bin noch nicht entehrt und bin doch zu meiner Handlun gsweise nur durch Willem gebracht worden, der im Guten und Schlechten mein Lehrer ist. Unten vor der Bank wartet meine arme Braut auf den Ausgang, ich schäme mich ja so erbärmlich." Er trocknete mit K.s Rock sein von Tränen ganz überlaufenes Gesicht. "Ich warte nicht mehr", sagte der Prügler, faßte die Rute mit beiden Händen und hieb auf Franz ein, während Willem in einem Winkel kauerte und heimlich zusah, ohne eine Kopfwendung zu wagen. Da erhob sich der Schrei, den Franz ausstieß, ungeteilt und unveränderlich, er schien nicht von einem Menschen, sondern von einem gemarterten Instrument zu stammen, der ganze Korridor tönte von ihm, das ganze Haus mußte es hören. "Schrei nicht", rief K. er konnte sich nicht zurückhalten, und während er gespannt in die Richtung sah, aus der die Diener kommen mußten, stieß er an Franz, nicht stark, aber doch stark genug, daß der Besinnungslose
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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