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schämte sich fast vor ihm, früher war er so aufrecht vor ihm gestanden, jetzt mußten ihn zwei
stützen, seinen Hut balancierte der Auskunftgeber auf den gespreizten Fingern, die Frisur war
zerstört, die Haare hingen ihm in die schweiß
nichts davon zu bemerken, demütig stand er vor dem Auskunftgeber, der über ihn hinwegsah,
und suchte nur seine Anwesenheit zu entschuldigen. "Ich weiß", sagte er, "daß die
Erledigung meiner Anträge heute noch nicht gegeben werden kann. Ich b in aber doch
gekommen, ich dachte, ich könnte doch hier wart
störe ich nicht." "Sie müssen das nicht so sehr entschuldigen", sagte der Auskunftgeber,
"Ihre Sorgsamkeit ist ja ganz lobenswert, Sie nehmen hier zwar unnötigerweise den Platz
weg, aber ich will Sie trotzdem, solange es mir nicht lästig wird, durchaus nicht hindern, den
Gang Ihrer Angelegenheit genau zu verfolgen. Wenn man Leute gesehen hat, die ihre Pflicht
schändlich vernachlässigten, lernt man es, mit Leuten, wie Sie sind, Geduld zu haben. Setzen
Sie sich." "Wie er mit den Parteien zu reden versteht", flüsterte das Mädchen. K. nickte, fuhr
aber gleich auf, als ihn der Auskunftgeber wieder fragte: "Wollen Sie sich nicht hier
niedersetzen?" "Nein", sagte K., "ich will mich nicht ausruhen." Er hatte das mit möglichster
Bestimmtheit gesagt, in Wirklichkeit hätte es ihm sehr wohlgetan, sich niederzusetzen. Er war
wie seekrank. Er glaubte auf einem Schiff zu sein, das sich in schwerem Seegang befand. Es
war ihm, als stürze das Wasser gegen die Holzwände, als komme aus der Tiefe des Ganges
ein Brausen her, wie von überschlagendem Wasser, als schaukle der Gang in der Quere und
als würden die wartenden Parteien zu beiden Seiten gesenkt und gehobe n. Desto
unbegreiflicher war die Ruhe des Mädchens und des Mannes, die ihn führten. Er war ihnen
ausgeliefert, ließen sie ihn los, so mußte er hinfallen wie ein Br ett. Aus ihren kleinen Augen
gingen scharfe Blicke hin und her, ihre gleichmäßigen Schritte fühlte K., ohne sie
mitzumachen, denn er wurde fast von Schritt zu Schritt getragen. Endlich merkte er, daß sie
zu ihm sprachen, aber er verstand sie nicht, er hörte nur den Lärm, der alles erfüllte und
durch den hindurch ein unveränderlicher hoher Ton, wie von einer Sirene, zu klingen schien.
"Lauter", flüsterte er mit gesenktem Kopf und schämte sich, denn er wußte, daß sie laut
genug, wenn auch für ihn unverständlich, gesprochen hatten. Da kam endlich, als wäre die
Wand vor ihm durchrissen, ein frischer Luftzug ihm entgegen, und er hörte neben sich sagen:
"Zuerst will er weg, dann aber kann man ihm hundertmal sagen, daß hier der Ausgang ist,
und er rührt sich nicht." K. merkte, daß er vor der Ausgangstür stand, die das Mädchen
geöffnet hatte. Ihm war, als wären alle seine Kräfte mit einemmal zurückgekehrt, um einen
Vorgeschmack der Freiheit zu gewinnen, trat er gleich auf eine Treppenstufe und
verabschiedete sich von dort aus von seinen Begleitern, die sich zu ihm hinabbeugten.
"Vielen Dank", wiederholte er, drückte beiden wiederholt die Hände und ließ erst ab, als er
zu sehen glaubte, daß sie, an die Kanzleiluft gewöhnt, die verhältnismäßig frische Luft, die
von der Treppe kam, schlecht ertrugen. Sie konnten kaum antworten, und das Mädchen wäre
vielleicht abgestürzt, wenn nicht K. äußerst schnell die Tür geschlossen hätte. K. stand dann
noch einen Augenblick still, strich sich mit Hilfe eines Taschenspiegels das Haar zurecht, hob
seinen Hut auf, der auf dem nächsten Treppenabsatz lag der Auskunftgeber hatte ihn wohl
hingeworfen und lief dann die Treppe hinunter, so frisch und in so langen Sprüngen, daß er
vor diesem Umschwung fast Angst bekam. Solche Überraschungen hatte ih m sein sonst
ganz gefestigter Gesundheitszustand noch nie bereitet. Wollte etwa sein Körper
revolutionieren und ihm einen neuen Prozeß bereiten, da er den alten so mühelos ertrug? Er
lehnte den Gedanken nicht ganz ab, bei nächster Gelegenheit zu einem Arzt zu gehen,
jedenfalls aber wollte er darin konnte er sich selbst beraten alle künftigen
Sonntagvormittage besser als diesen verwenden.
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