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Sie sich nicht setzen?" K. setzte sich sofort und stützte, um noch besseren Halt zu
bekommen, die Ellbogen auf die Lehnen. "Sie haben ein wenig Schwindel , nicht?" fragte sie
ihn. Er hatte nun ihr Gesicht nahe vor sich, es hatte den strengen Ausdruck, wie ihn manche
Frauen gerade in ihrer schönsten Jugend haben. "Machen Sie sich darüber keine
Gedanken", sagte sie, "das ist hier nichts Außergewöhnliches, fast jeder bekommt einen
solchen Anfall, wenn er zum erstenmal herkommt. Sie sind zum erstenmal hier? Nun ja, das
ist also nichts Außergewöhnliches. Die Sonne brennt hier auf das D achgerüst, und das heiße
Holz macht die Luft so dumpf und schwer. Der Ort ist deshalb für Büroräumlichkeiten nicht
sehr geeignet, so große Vorteile er allerdings sonst bietet. Aber was die Luft betrifft, so ist sie
an Tagen großen Parteienverkehrs, und das ist fast jeder Tag, kaum mehr atembar. Wenn
Sie dann noch bedenken, daß hier auch vielfach Wäsche zum Trocknen ausgehängt wird
man kann es den Mietern nicht gänzlich untersagen , so werden Sie sich nicht mehr
wundern, daß Ihnen ein wenig übel wurde. Aber man gewöhnt sich schließlich an die Luft
sehr gut. Wenn Sie zum zweiten- oder drittenmal herkommen, werden Sie das Drückende
hier kaum mehr spüren. Fühlen Sie sich schon besser?" K. antwortete nicht, es war ihm zu
peinlich, durch diese plötzliche Schwäche den Leuten hier ausgeliefert zu sein, überdies war
ihm, da er jetzt die Ursachen seiner Übelkeit erfahren hatte, nicht besser, sondern noch ein
wenig schlechter. Das Mädchen merkte es gleich, nahm, um K. eine Erfrischung zu bereiten,
eine Hakenstange, die an der Wand lehnte, und stieß damit eine kleine Luke auf, die gerade
über K. angebracht war und ins Freie führte. Aber es fiel so viel Ruß herein, daß das
Mädchen die Luke gleich wieder zuziehen und mit ihrem Taschentuch die Hände K.s vom
Ruß reinigen mußte, denn K. war zu müde, um das selbst zu besorgen. Er wäre gern hier
ruhig sitzengeblieben, bis er sich zum Weggehen genügend gekräftig t hatte, das mußte aber
um so früher geschehen, je weniger man sich um ihn kümmern würde. Nun sagte aber
überdies das Mädchen: "Hier können Sie nicht bleiben, hier stören wir den Verkehr " K.
fragte mit den Blicken, welchen Verkehr er denn hier störe "Ich werde Sie, wenn Sie wollen,
ins Krankenzimmer führen. Helfen Sie mir, bitte",
gleich näher kam. Aber K. wollte nicht ins Krankenzimmer, gerade das wollte er ja vermeiden,
weiter geführt zu werden, je weiter er kam, desto ärger mußte es werden. Ich kann schon
gehen", sagte er deshalb und stand, durch das bequeme Sitzen verwöhnt, zitternd auf. Dann
aber konnte er sich nicht aufrecht halten. "Es geht doch nicht", sagte er kopfschüttelnd und
setzte sich seufzend wieder nieder. Er erinnerte sich an den Gerichtsdiener, der ihn trotz
allem leicht hinausführen könnte, aber der schien schon längst weg zu sein, K. sah zwischen
dem Mädchen und dem Mann, die vor ihm standen, hindurch, konnte aber den Gerichtsdiener
nicht finden.
"Ich glaube", sagte der Mann, der übrigens elegant gekleidet war und besonders durch
eine graue Weste auffiel, die in zwei langen, scharfgeschnittenen Spitzen endigte, "das
Unwohlsein des Herrn geht auf die Atmosphäre hier zurück, es wird daher am besten und
auch ihm am liebsten sein, wenn wir ihn nicht erst ins Krankenzimmer, sondern überhaupt
aus den Kanzleien hinausführen." "Das ist es", rief K. und fuhr vor lauter Freude fast noch in
die Rede des Mannes hinein, "mir wird gewiß sofort besser werden, ich bin auch gar nicht so
schwach, nur ein wenig Unterstützung unter den Achseln brauche ich, ich werde Ihnen nicht
viel Mühe machen, es ist ja auch kein langer Weg, führen Sie mich nur zur Tür, ich setze
mich dann noch ein wenig auf die Stufen und werde gleich erholt sein, ich leide nämlich gar
nicht unter solchen Anfällen, es kommt mir selbst überraschend. Ich bin doch auch Beamter
und an Büroluft gewöhnt, aber hier scheint es doch zu arg, Sie sag en es selbst. Wollen Sie
also die Freundlichkeit haben, mich ein wenig zu führen, ich habe nämlich Schwindel, und es
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