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waren, hatten sie die Hüte, wahrscheinlich einer dem Beispiel des anderen folgend, unter die
Bank gestellt. Als die, welche zunächst der Tür saßen, K. und den Gerichtsdiener erblickten,
erhoben sie sich zum Gruß, da das die Folgenden sahen, glaubten sie a uch grüßen zu
müssen, so daß alle beim Vorbeigehen der beiden sich erhoben. Sie standen niemals
vollständig aufrecht, der Rücken war geneigt, die Knie geknickt, s ie standen wie
Straßenbettler. K. wartete auf den ein wenig hinter ihm gehenden Gerichtsdiener und sagte:
"Wie gedemütigt die sein müssen." "Ja", sagte der Gerichtsdiener, "es sind Angeklagte,
alle, die Sie hier sehn, sind Angeklagte." "Wirklich!" sagte K. "Dann sind es ja meine
Kollegen." Und er wandte sich an den nächsten, einen großen, schlanken, schon fast
grauhaarigen Mann. "Worauf warten Sie hier?" fragte K. höflich. Die unerwartete Ansprache
aber machte den Mann verwirrt, was um so peinlicher aussah, da es sich offenbar um einen
welterfahrenen Menschen handelte, der anderswo gewiß sich zu beherrsc hen verstand und
die Überlegenheit, die er sich über viele erworben hatte, nicht leicht aufgab. Hier aber wußte
er auf eine so einfache Frage nicht zu antworten und sah auf die anderen hin, als seien sie
verpflichtet, ihm zu helfen, und als könne niemand von ihm eine Antwo rt verlangen, wenn
diese Hilfe ausbliebe. Da trat der Gerichtsdiener hinzu und sagte, um den Mann zu beruhigen
und aufzumuntern: "Der Herr hier fragt ja nur, worauf Sie warten. Antworten Sie doch." Die
ihm wahrscheinlich bekannte Stimme des Gerichtsdieners wirkte besser: "Ich warte "
begann er und stockte. Offenbar hatte er diesen Anfang gewählt, um ganz genau auf die
Fragestellung zu antworten, fand aber jetzt die Fortsetzung nicht. Einige der Wartenden
hatten sich genähert und umstanden die Gruppe, der Gerichtsdiener sagte zu ihnen: "Weg,
weg, macht den Gang frei." Sie wichen ein wenig zurück, aber nicht bis zu ihren früheren
Sitzen. Inzwischen hatte sich der Gefragte gesammelt und antwortete sogar mit einem
kleinen Lächeln: "Ich habe vor einem Monat einige Beweisanträge in meiner Sache gemacht
und warte auf die Erledigung." "Sie scheinen sich
sagte der Mann, "es ist ja meine Sache." "Jeder denkt nicht so wie Sie", sagte K., "ich zum
Beispiel bin auch angeklagt, habe aber, so wahr ich selig werden will, w eder einen
Beweisantrag gestellt, noch auch sonst irgend etwas Derartiges unternommen. Halten Sie
denn das für nötig?" "Ich weiß nicht genau", sagte der Mann wieder in vollständiger
Unsicherheit; er glaubte offenbar, K. mache mit ihm einen Scherz, deshalb hätte er
wahrscheinlich am liebsten, aus Furcht, irgendeinen neuen Fehler zu machen, seine frühere
Antwort ganz wiederholt, vor K.s ungeduldigem Blick aber sagte er nur: "Was mich betrifft,
ich habe Beweisanträge gestellt." "Sie glauben wohl nicht, daß ich angeklagt bin?" fragte K.
"O bitte, gewiß", sagte der Mann, und trat ein wenig zur Seite, aber in der Antwort war nicht
Glaube, sondern nur Angst. "Sie glauben mir also nicht?" fragte K. und faßte ihn, unbewußt
durch das demütige Wesen des Mannes aufgefordert, beim Arm, als wolle er ihn zum
Glauben zwingen. Aber er wollte ihm nicht Schmerz bereiten, hatte ihn auch nur ganz leicht
angegriffen, trotzdem schrie der Mann auf, als habe K. ihn nicht mit zwei Fingern, sondern mit
einer glühenden Zange erfaßt. Dieses lächerliche Schreien macht e ihn K. endgültig
überdrüssig; glaubte man ihm nicht, daß er angeklagt war, so war es desto besser; vielleicht
hielt er ihn sogar für einen Richter. Und er faßte ihn nun zum Abschied wirklich fester, stieß
ihn auf die Bank zurück und ging weiter. "Die meisten Angeklagten sind so empfindlich",
sagte der Gerichtsdiener. Hinter ihnen sammelten sich jetzt fast alle Wartenden um den
Mann, der schon zu schreien aufgehört hatte, und schienen ihn über den Zwischenfall genau
auszufragen. K. entgegen kam jetzt ein Wächter, der hauptsächlich an einem Säbel kenntlich
war, dessen Scheide, wenigstens der Farbe nach, aus Aluminium bestand. K. staunte
darüber und griff sogar mit der Hand hin. Der Wächter, der wegen des Schreiens gekommen
war, fragte nach dem Vorgefallenen. Der Gerichtsdiener suchte ihn mit einigen Worten zu
beruhigen, aber der Wächter erklärte, doch noch selbst nachsehen zu müssen, salutierte und
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