Title:

Der Prozess

Home
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

festgedrückt, die Arme gestreckt, die Finger gespreizt, die krummen Beine zum Kreis gedreht, und ringsherum Blutspritzer. Bisher war es aber nur Traum." "Eine andere Hilfe gibt es nicht?" fragte K. lächelnd. "Ich wüßte keine", sagte der Gerichtsdiener. "Und jetzt wird es  ja noch ärger, bisher hat er sie nur zu sich getragen, jetzt trägt er sie, was ich allerdings längst erwartet habe, auch zum Untersuchungsrichter." "Hat denn Ihre Frau gar keine Schuld dabei", fragte K., er mußte sich bei dieser Frage bezwingen, so sehr fühlte auch er jetzt die Eifersucht. "Aber gewiß", sagte der Gerichtsdiener, "sie hat sogar die größte Schuld. Sie hat sich ja an ihn gehängt. Was ihn betrifft, er läuft allen Weibern nach. In diesem Hause allein ist er schon aus fünf Wohnungen, in die er sich eingeschlichen hat, hinausgeworfen worden. Meine Frau ist allerdings die Schönste im ganzen Haus, und gerade ich  darf mich nicht wehren." "Wenn es sich so verhält, dann gibt es allerdings keine Hilfe", sagte K. "Warum denn nicht?" fragte der Gerichtsdiener. "Man einmal, wenn er meine Frau anrühren will, so durchprügeln, daß er es niemals mehr wagt. Aber ich darf es nicht, und andere machen mir den Gefallen nicht, denn a lle fürchten seine Macht. Nur ein Mann wie Sie könnte es tun." "Wieso denn ich?" fragte K. erstaunt. "Sie sind doch angeklagt", sagte der Gerichtsdiener. "Ja", sagte K. "aber desto mehr müßte ich doch fürchten, daß er, wenn auch vielleicht nicht Einfluß auf den Ausgang des Prozesses, so doch wahrscheinlich auf die Voruntersuchung hat." "Ja, gewiß", sagte der Gerichtsdiener, als sei die Ansicht K.s genau so richtig wie seine eigene. "Es werden aber be i uns in der Regel keine aussichtslosen Prozesse geführt." "Ich bin nicht Ihrer Meinung", sagte K., "das soll mich aber nicht hindern, gelegentlich den Studenten in Behandlung zu nehmen." "Ich wäre Ihnen sehr dankbar", sagte der Gerichtsdiener etwas förmlich, er schien eigentlich doch nicht an die Erfüllbarkeit seines höchsten Wunsches zu glauben. "Es würden vielleicht", fuhr K. fort, "auch noch andere Ihrer Beamten und vielleicht sogar alle das gleiche verdienen." "Ja, ja", sagte der Gerichtsdiener, als handle es sich um etwas Selbstverständliches. Dann sah er K. mit einem zutraulichen Blick an, wie er es bisher trotz aller Freundlichkeit nicht getan hatte, und fügte hinzu: "Man rebelliert eben immer." Aber das Gespräch schien ihm doch ein wenig unbehaglich geworden zu sein, denn er brach es ab, indem er sagte: "Jetzt muß ich mich in der Kanzlei melden. Wollen Sie mitkommen?" "Ich habe dort nichts zu tun", sagte K. "Sie können die Kanzleien ansehen. Es wird sich niemand um Sie kümmern. " "Ist es denn sehenswert?" fragte K. zögernd, hatte aber große Lust, mitzugehen. "Nun", sagte der Gerichtsdiener, "ich dachte, es würde Sie interessieren." "Gut", sagte gehe mit." Und er lief schneller als der Gerichtsdiener die Treppe hi nauf. Beim Eintritt wäre er fast hingefallen, denn hinter der Tür war noch eine Stufe. "Auf das Publikum nimmt man nicht viel Rücksicht", sagte er. "Man nimmt überhaupt keine Rücksicht", sagte der Gerichtsdiener, "sehen Sie nur hier das Wartezimmer." Es war ein langer Gang, von dem aus roh gezimmerte Türen zu den einzelnen Abteilungen des Dachbodens führten. Obwohl kein unmittelbarer Lichtzutritt bestand, war es doch nicht vollständig dunkel, denn manche Abteilungen hatten gegen den Gang zu  statt einheitlicher Bretterwände bloße, allerdings bis zur Decke reichende Holzgitter, durch die einiges Licht drang und durch die man auch einzelne Beamte sehen konnte, wie sie an Ti schen schrieben oder geradezu am Gitter standen und durch die Lücken die Leute auf de m Gang beobachteten. Es waren, wahrscheinlich weil Sonntag war, nur wenig Leute auf dem Gang. Sie machten einen sehr bescheidenen Eindruck. In fast regelmäßigen  Entfernungen voneinander saßen sie auf den zwei Reihen langer Holzbänke, die zu  beiden Seiten des Ganges angebracht waren. Alle waren vernachlässigt angezogen, obwohl die meisten nach dem Gesichtsausdruck, der Haltung, der Barttracht und vielen, kaum sicherzustellenden kleinen Einzelheiten den höheren Klassen angehörten. Da keine Kleiderhaken vorhanden
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/K/Kafka

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Home  |  english  |  Set bookmark  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum