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Noch war er frei. "Erlauben Sie", sagte er und ging eilig zwischen den Wächtern durch in
sein Zimmer. "Er scheint vernünftig zu sein", hörte er hinter sich sagen. In seinem Zimmer
riß er gleich die Schubladen des Schreibtischs auf, es lag dort alles in großer Ordnung, aber
gerade die Legitimationspapiere, die er suchte, konnte er in der Aufregung nicht gleich finden.
Schließlich fand er seine Radfahrlegitimation und wollte schon mit ih r zu den Wächtern
gehen, dann aber schien ihm das Papier zu geringfügig und er suchte weiter, bis er den
Geburtsschein fand. Als er wieder in das Nebenzimmer zurückkam, öffnete sich gerade die
gegenüberliegende Tür und Frau Grubach wollte dort eintreten. Man sah sie nur einen
Augenblick, denn kaum hatte sie K. erkannt, als sie offenbar verlegen wurde, um Verzeihung
bat, verschwand und äußerst vorsichtig die Tür schloß. "Kommen Sie doch herein", hatte K.
gerade noch sagen können. Nun aber stand er mit seinen Papieren in de r Mitte des Zimmers,
sah noch auf die Tür hin, die sich nicht wieder öffnete, und wurde erst durch einen Anruf der
Wächter aufgeschreckt, die bei dem Tischchen am offenen Fenster saßen und, wie K. jetzt
erkannte, sein Frühstück verzehrten. "Warum ist sie nicht eingetreten?" fragte er. "Sie darf
nicht", sagte der große Wächter. "Sie sind doch verhaftet." "Wie kann ich denn verhaftet
sein? Und gar auf diese Weise?" "Nun fangen Sie also wieder an", sagte der Wächter und
tauchte ein Butterbrot ins Honigfäßchen. "Solche Fragen beantworten wir nicht." "Sie
werden sie beantworten müssen", sagte K. "Hier sind meine Legit imationspapiere, zeigen
Sie mir jetzt die Ihrigen und vor allem den Verhaftbefehl." "Du lieber Himmel!" sagte der
Wächter. "Daß Sie sich in Ihre Lage nicht fügen können und daß Sie es darauf angelegt zu
haben scheinen, uns, die wir Ihnen jetzt wahrscheinlich von allen Ihren Mitmenschen am
nächsten stehen, nutzlos zu reizen!" "Es ist so, glauben Sie es doch", sagte Franz, führte
die Kaffeetasse, die er in der Hand hielt, nicht zum Mund, sondern sah K. mit einem langen,
wahrscheinlich bedeutungsvollen, aber unverständlichen Blick an. K. l ieß sich, ohne es zu
wollen, in ein Zwiegespräch der Blicke mit Franz ein, schlug dann aber doch auf seine
Papiere und sagte: "Hier sind meine Legitimationspapiere." "Was kümmern uns denn die?"
rief nun schon der große Wächter. "Sie führen sich ärger auf als ein Kind. Was wollen Sie
denn? Wollen Sie Ihren großen, verfluchten Prozeß dadurch zu einem raschen Ende bringen,
daß Sie mit uns, den Wächtern, über Legitimation und Verhaftbefehl diskutieren? Wir sind
niedrige Angestellte, die sich in einem Legitimationspapier kaum auskennen und die mit Ihrer
Sache nichts anderes zu tun haben, als daß sie zehn Stunden täglich bei Ihnen Wache halten
und dafür bezahlt werden. Das ist alles, was wir sind, trotzdem aber sind wir fähig,
einzusehen, daß die hohen Behörden, in deren Dienst wir stehen, ehe sie eine solche
Verhaftung verfügen, sich sehr genau über die Gründe der Verhaftung und die Person des
Verhafteten unterrichten. Es gibt darin keinen Irrtum. Unsere Behörde, soweit ich sie kenne,
und ich kenne nur die niedrigsten Grade, sucht doch nicht etwa die Schul d in der
Bevölkerung, sondern wird, wie es im Gesetz heißt, von der Schuld angezogen und muß uns
Wächter ausschicken. Das ist Gesetz. Wo gäbe es da einen Irrtum?" "Dieses Gesetz kenne
ich nicht", sagte K. "Desto schlimmer für Sie", sagte der Wächter. "Es besteht wohl auch nur
in Ihren Köpfen", sagte K., er wollte sich irgendwie in die Gedanken der Wächter
einschleichen, sie zu seinen Gunsten wenden oder sich dort einbürgern. Aber der Wächter
sagte nur abweisend: "Sie werden es zu fühlen bekommen." Franz mischte sich ein und
sagte: "Sieh, Willem, er gibt zu, er kenne das Gesetz nicht, und behauptet gleichzeitig,
schuldlos zu sein." "Du hast ganz recht, aber ihm kann man nichts begreiflich machen",
sagte der andere. K. antwortete nichts mehr; muß ich, dachte er, durch das Geschwätz dieser
niedrigsten Organe sie geben selbst zu, es zu sein mich noch m ehr verwirren lassen? Sie
reden doch jedenfalls von Dingen, die sie gar nicht verstehen. Ihre Sicherheit ist nur durch
ihre Dummheit möglich. Ein paar Worte, die ich mit einem mir ebenbürtigen Menschen
sprechen werde, werden alles unvergleichlich klarer machen als die längsten Reden mit
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