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auch schon früher weggehen können, es hätte Sie niemand vermiß t. Ja, Sie hätten sogar
weggehen sollen, und zwar schon bei meinem Eintritt, und zwar schleunigst." Es mochte in
dieser Bemerkung alle mögliche Wut zum Ausbruch kommen, jedenfalls lag darin aber auch
der Hochmut des künftigen Gerichtsbeamten, der zu einem mißliebigen Angeklagten sprach.
K. blieb ganz nahe bei ihm stehen und sagte lächelnd: "Ich bin ungeduldig, das ist richtig,
aber diese Ungeduld wird am leichtesten dadurch zu beseitigen sein, daß Sie uns verlassen.
Wenn Sie aber vielleicht hergekommen sind, um zu studieren ich hörte, daß Sie Student
sind , so will ich Ihnen gerne Platz machen und mit der Frau weggehen. Sie werden
übrigens noch viel studieren müssen, ehe Sie Richter werden. Ich k enne zwar Ihr
Gerichtswesen noch nicht sehr genau, nehme aber an, daß es mit groben Reden allein, die
Sie allerdings schon unverschämt gut zu führen wissen, noch lange nicht getan ist." "Man
hätte ihn nicht so frei herumlaufen lassen sollen", sagte der Student, als wolle er der Frau
eine Erklärung für K.s beleidigende Rede geben, "es war ein Miß griff. Ich habe es dem
Untersuchungsrichter gesagt. Man hätte ihn zwischen den Verhören z umindest in seinem
Zimmer halten sollen. Der Untersuchungsrichter ist manchmal unbegreiflich." "Unnütze
Reden", sagte K. und streckte die Hand nach der Frau aus, "kommen Sie." "Ach so", sagte
der Student, "nein, nein, die bekommen Sie nicht", und mit einer Kraft, die man ihm nicht
zugetraut hätte, hob er sie auf einen Arm und lief mit gebeugtem Rücken, zärtlich zu ihr
aufsehend, zur Tür. Eine gewisse Angst vor K. war hierbei nicht zu verkennen, trotzdem
wagte er es, K. noch zu reizen, indem er mit der freien Hand den Arm der Frau streichelte
und drückte. K. lief ein paar Schritte neben ihm her, bereit, ihn zu fassen und, wenn es sein
mußte, zu würgen, da sagte die Frau: "Es hilft nichts, der Untersuchungsrichter läßt mich
holen, ich darf nicht mit Ihnen gehen, dieses kleine Scheusal", sie fuhr hierbei dem
Studenten mit der Hand übers Gesicht, "dieses kleine Scheusal läßt mich nicht." "Und Sie
wollen nicht befreit werden!" schrie K. und legte die Hand auf die Schulter des Studenten, der
mit den Zähnen nach ihr schnappte. "Nein!" rief die Frau und we hrte K. mit beiden Händen
ab, "nein, nein, nur das nicht, woran denken Sie denn! Das wäre mein Verderben. Lassen
Sie ihn doch, o bitte, lassen Sie ihn doch. Er führt ja nur den Befeh l des
Untersuchungsrichters aus und trägt mich zu ihm." "Dann mag er laufen und Sie will ich nie
mehr sehen", sagte K. wütend vor Enttäuschung und gab dem Studenten einen Stoß in den
Rücken, daß er kurz stolperte, um gleich darauf, vor Vergnügen darüber, daß er nicht gefallen
war, mit seiner Last desto höher zu springen. K. ging ihnen langsam nach, er sah ein, daß
das die erste zweifellose Niederlage war, die er von diesen Leuten erfahren hatte. Es war
natürlich kein Grund, sich deshalb zu ängstigen, er erhielt die Niederlage nur deshalb, weil er
den Kampf aufsuchte. Wenn er zu Hause bliebe und sein gewohntes Leben fü hrte, war er
jedem dieser Leute tausendfach überlegen und konnte jeden mit einem Fußtritt von seinem
Wege räumen. Und er stellte sich die allerlächerlichste Szene vor, die es zum Beispiel geben
würde, wenn dieser klägliche Student, dieses aufgeblasene Kind, dieser krumme Bartträger
vor Elsas Bett knien und mit gefalteten Händen um Gnade bitten würde. K. gefiel diese
Vorstellung so, daß er beschloß, wenn sich nur irgendeine Gelegenheit dafür ergeben sollte,
den Studenten einmal zu Elsa mitzunehmen.
Aus Neugierde eilte K. noch zur Tür, er wollte sehen, wohin die Frau getragen wurde, der
Student würde sie doch nicht etwa über die Straßen auf dem Arm tragen. Es zeigte sich, daß
der Weg viel kürzer war. Gleich gegenüber der Wohnung führte ei ne schmale hölzerne
Treppe wahrscheinlich zum Dachboden, sie machte eine Wendung, so daß man ihr Ende
nicht sah. Über diese Treppe trug der Student die Frau hinauf, schon sehr langsam und
stöhnend, denn er war durch das bisherige Laufen geschwächt. Die F rau grüßte mit der Hand
zu K. hinunter und suchte durch Auf- und Abziehen der Schultern zu zeigen, daß sie an der
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