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und daß ich gerade jetzt in der ersten Zeit, er muß mich überhaupt erst jetzt bemerkt haben,
großen Einfluß auf ihn haben kann. Daß ihm viel an mir liegt, d afür habe ich jetzt auch noch
andere Beweise. Er hat mir gestern durch den Studenten, zu dem er viel Vertrauen hat und
der sein Mitarbeiter ist, seidene Strümpfe zum Geschenk geschickt, angeblich dafür, daß ich
das Sitzungszimmer aufräume, aber das ist nur ein Vorwand, denn diese Arbeit ist doch nur
meine Pflicht und für sie wird mein Mann bezahlt. Es sind schöne S trümpfe, sehen Sie" sie
streckte die Beine, zog die Röcke bis zum Knie hinauf und sah auch se lbst die Strümpfe an ,
"es sind schöne Strümpfe, aber doch eigentlich zu fein und für mich nicht geeignet."
Plötzlich unterbrach sie sich, legte ihre Hand auf K.s Hand, als woll e sie ihn beruhigen, und
flüsterte: "Still, Berthold sieht uns zu." K. hob langsam den Blick. In der Tür des
Sitzungszimmers stand ein junger Mann, er war klein, hatte nicht ganz gerade Beine und
suchte sich durch einen kurzen, schütteren, rötlichen Vollbart, in dem er die Finger
fortwährend herumführte, Würde zu geben. K. sah ihn neugierig an, es war ja der erste
Student der unbekannten Rechtswissenschaft, dem er gewissermaßen mens chlich
begegnete, ein Mann, der wahrscheinlich auch einmal zu höheren Beamtenstellen gelangen
würde. Der Student dagegen kümmerte sich um K. scheinbar gar nicht, er winkte nur mit
einem Finger, den er für einen Augenblick aus seinem Barte zog, der F rau und ging zum
Fenster, die Frau beugte sich zu K. und flüsterte: "Seien Sie mir nicht böse, ich bitte Sie
vielmals, denken Sie auch nicht schlecht von mir, ich muß jetzt zu ihm gehen, zu diesem
scheußlichen Menschen, sehen Sie nur seine krummen Beine an. Aber ich komme gleich
zurück, und dann gehe ich mit Ihnen, wenn Sie mich mitnehmen, ich gehe, wohin Sie wollen,
Sie können mit mir tun, was Sie wollen, ich werde glücklich sein, wenn ich von hier für
möglichst lange Zeit fort bin, am liebsten allerdings für immer." Sie streichelte noch K.s Hand,
sprang auf und lief zum Fenster. Unwillkürlich haschte noch K. nach i hrer Hand ins Leere. Die
Frau verlockte ihn wirklich, er fand trotz allem Nachdenken keinen haltbaren Grund dafür,
warum er der Verlockung nicht nachgeben sollte. Den flüchtigen Einwand, daß ihn die Frau
für das Gericht einfange, wehrte er ohne Mühe ab. Auf welche Weise konnte sie ihn
einfangen? Blieb er nicht immer so frei, daß er das ganze Gericht, wenigstens soweit es ihn
betraf, sofort zerschlagen konnte? Konnte er nicht dieses geringe Vertrauen zu sich haben?
Und ihr Anerbieten einer Hilfe klang aufrichtig und war vielleicht nicht wertlos. Und es gab
vielleicht keine bessere Rache an dem Untersuchungsrichter und seinem An hang, als daß er
ihnen diese Frau entzog und an sich nahm. Es könnte sich dann einmal der Fall ereignen,
daß der Untersuchungsrichter nach mühevoller Arbeit an Lügenberichten über K. in später
Nacht das Bett der Frau leer fand. Und leer deshalb, weil sie K. gehörte, weil diese Frau am
Fenster, dieser üppige, gelenkige, warme Körper im dunklen Kleid aus grobem, schwerem
Stoff, durchaus nur K. gehörte.
Nachdem er auf diese Weise die Bedenken gegen die Frau beseitigt hatte, wurde ihm das
leise Zwiegespräch am Fenster zu lang, er klopfte mit den Knöcheln auf das Podium und
dann auch mit der Faust. Der Student sah kurz über die Schulter der F rau hinweg nach K.
hin, ließ sich aber nicht stören, ja drückte sich sogar eng an die Frau und umfaßte sie. Sie
senkte tief den Kopf, als höre sie ihm aufmerksam zu, er küßte sie, als sie sich bückte, laut
auf den Hals, ohne sich im Reden wesentlich zu unterbrechen. K. sah darin die Tyrannei
bestätigt, die der Student nach den Klagen der Frau über sie ausübte, stand auf und ging im
Zimmer auf und ab. Er überlegte unter Seitenblicken nach dem Studenten, wie er ihn
möglichst schnell wegschaffen könnte, und es war ihm daher nicht unwillkommen, als der
Student, offenbar gestört durch K.s Herumgehen, das schon zeitweilig zu einem Trampeln
ausgeartet war, bemerkte: "Wenn Sie ungeduldig sind, können Sie weggehen. Sie hätten
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