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und wenn Sie ihn nicht lieben, so ziehen Sie ihn doch wenigstens Ihrem M anne vor. Das
konnte man aus Ihren Worten leicht erkennen." "N
K.s Hand, die er ihr nicht rasch genug entzog. "Sie dürfen jetzt nicht weggehen, Sie dürfen
nicht mit einem falschen Urteil über mich weggehen! Brächten Sie es wirklich zustande, jetzt
wegzugehen? Bin ich wirklich so wertlos, daß Sie mir nicht einmal den Gefallen tun wollen,
noch ein kleines Weilchen hierzubleiben?" "Sie mißverstehen mich", sagte K. und setzte
sich, "wenn Ihnen wirklich daran liegt, daß ich hier bleibe, bleibe ich gern, ich habe ja Zeit, ich
kam doch in der Erwartung her, daß heute eine Verhandlung sein werde. Mit dem, was ich
früher sagte, wollte ich Sie nur bitten, in meinem Prozeß nichts für mich zu unternehmen.
Aber auch das muß Sie nicht kränken, wenn Sie bedenken, daß mir am Ausgang des
Prozesses gar nichts liegt und daß ich über eine Verurteilung nur lachen werde.
Vorausgesetzt, daß es überhaupt zu einem wirklichen Abschluß des Prozesses kommt, was
ich sehr bezweifle. Ich glaube vielmehr, daß das Verfahren infolge Faulheit oder
Vergeßlichkeit oder vielleicht sogar infolge Angst der Beamtenschaft schon abgebrochen ist
oder in der nächsten Zeit abgebrochen werden wird. Möglich ist allerdings auch, daß man in
Hoffnung auf irgendeine größere Bestechung den Prozeß scheinbar weiterführen wird, ganz
vergeblich, wie ich heute schon sagen kann, denn ich besteche niemanden. Es wäre
immerhin eine Gefälligkeit, die Sie mir leisten könnten, wenn Sie dem Untersuchungsrichter
oder irgend jemandem sonst, der wichtige Nachrichten gern verbreitet, mitteilten, daß ich
niemals und durch keine Kunststücke, an denen die Herren wohl reich s ind, zu einer
Bestechung zu bewegen sein werde. Es wäre ganz aussichtslos, das kö nnen Sie ihnen offen
sagen. Übrigens wird man es vielleicht selbst schon bemerkt haben, und selbst wenn dies
nicht sein sollte, liegt mir gar nicht so viel daran, daß man es jetzt schon erfährt. Es würde j a
dadurch den Herren nur Arbeit erspart werden, allerdings auch mir einige
Unannehmlichkeiten, die ich aber gern auf mich nehme, wenn ich weiß, daß jede gleichzeitig
ein Hieb für die anderen ist. Und daß es so wird, dafür will ich sorgen. Kennen Sie eigentlich
den Untersuchungsrichter?" "Natürlich", sagte die Frau, "an den dachte ich sogar zuerst, als
ich Ihnen Hilfe anbot. Ich wußte nicht, daß er nur ein niedriger Beamter ist, aber da Sie es
sagen, wird es wahrscheinlich richtig sein. Trotzdem glaube ich, daß der Bericht, den er nach
oben liefert, immerhin einigen Einfluß hat. Und er schreibt soviel Berichte. Sie sagen, daß die
Beamten faul sind, alle gewiß nicht, besonders dieser Untersuchungsrichter nicht, er schreibt
sehr viel. Letzten Sonntag zum Beispiel dauerte die Sitzung bis gegen Abend. Alle Leute
gingen weg, der Untersuchungsrichter aber blieb im Saal, ich mußte ihm eine Lampe bringen,
ich hatte nur eine kleine Küchenlampe, aber er war mit ihr zufrieden und fing gleich zu
schreiben an. Inzwischen war auch mein Mann gekommen, der an jenem Sonntag gerade
Urlaub hatte, wir holten die Möbel, richteten wieder unser Zimmer ein, es kamen dann noch
Nachbarn, wir unterhielten uns noch bei einer Kerze, kurz, wir vergaßen den
Untersuchungsrichter und gingen schlafen. Plötzlich in der Nacht, es muß schon tief in der
Nacht gewesen sein, wache ich auf, neben dem Bett steht der Untersuchung srichter und
blendet die Lampe mit der Hand ab, so daß auf meinen Mann kein Licht fällt, es war unnötige
Vorsicht, mein Mann hat einen solchen Schlaf, daß ihn auch das Licht nicht geweckt hätte.
Ich war so erschrocken, daß ich fast geschrien hätte, aber der Untersuchungsrichter war sehr
freundlich, ermahnte mich zur Vorsicht, flüsterte mir zu, daß er bis jetzt geschrieben habe,
daß er mir jetzt die Lampe zurückbringe und daß er niemals den Anblick vergessen werde,
wie er mich schlafend gefunden habe. Mit dem allem wollte ich Ihnen nur sagen, daß der
Untersuchungsrichter tatsächlich viele Berichte schreibt, insbesondere über Sie, denn Ihre
Einvernahme war gewiß einer der Hauptgegenstände der sonntäglichen Sitzung. Solche
langen Berichte können aber doch nicht ganz bedeutungslos sein. Auß erdem aber können
Sie doch auch aus dem Vorfall sehen, daß sich der Untersuchungsrichte r um mich bewirbt
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