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Der Prozess

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DRITTES KAPITEL Im leeren Sitzungssaal, der Student, die Kanzleien K. wartete während der nächsten Woche von Tag zu Tag auf eine neuerliche Verständigung, er konnte nicht glauben, daß man seinen Verzicht auf Verhöre wörtlich genommen hatte, und als die erwartete Verständigung bis Samstagabend wirklich nicht kam, nahm er an, er sei stillschweigend in das gleiche Haus für die gleiche Zeit wieder vorgeladen. Er begab sich daher Sonntags wieder hin, ging diesmal geradewegs über Treppen und Gänge; einige Leute, die sich seiner erinnerten, grüßten ihn an niemanden mehr fragen und kam bald zu der richtigen Tür. Auf sein Klopfen wurde ihm gleich aufgemacht, und ohne sich weiter nach der bekannten Frau umzusehen, die bei der Tür stehenblieb, wollte er gleich ins Nebenzimmer. "Heute ist keine Sitzung", sagte die Frau. "Warum sollte keine Sitzung sein?" fragte er überzeugte ihn, indem sie die Tür des Nebenzimmers öffnete. Es war wirklich leer und sah in seiner Leere noch kläglicher aus als am letzten Sonntag. Auf dem Tisch, der unverändert auf dem Podium stand, lagen einige Bücher. "Kann ich mir die Bücher anschauen?" fragte K., nicht aus besonderer Neugierde, sondern nur, um nicht vollständig nutzlos hier gewesen zu sein. "Nein", sagte die Frau und schloß wieder die Tür, " das ist nicht erlaubt. Die Bücher gehören dem Untersuchungsrichter." "Ach so", sagte K. und nickte, "die Bücher sind wohl Gesetzbücher, und es gehört zu der Art dieses Gerichtswesens, daß  man nicht nur unschuldig, sondern auch unwissend verurteilt wird." "Es wird so sein", sagte die Frau, die ihn nicht genau verstanden hatte. "Nun, dann gehe ich wieder", sagte K. "Soll ich dem Untersuchungsrichter etwas melden?" fragte die Frau. "Sie kennen ihn?" fragte K. "Natürlich", sagte die Frau, "mein Mann ist ja Gerichtsdiener." Erst jetzt merkte K., daß das Zimmer, in dem letzthin nur ein Waschbottich gestanden war, jetzt ein völlig eingerichtetes Wohnzimmer bildete. Die Frau bemerkte sein Staunen und sagte: "Ja, wir haben hier freie Wohnung, müssen aber an Sitzungstagen das Zimmer ausräumen. Die Stellung meines Mannes hat manche Nachteile." "Ich staune nicht so sehr über das Zimmer", sagte K. und blickte sie böse an, "als vielmehr darüber, daß Sie verheiratet sind." "Spielen Sie vielleicht auf den Vorfall in der letzten Sitzung an, durch den ich Ihre Rede störte?" fragte die Frau. "Natürlich", sagte K., "heute ist es ja schon vorüber und fast vergessen, aber damals hat es mich geradezu wütend gemacht. Und nun sagen Sie selbst, daß Sie ei ne verheiratete Frau sind." "Es war nicht zu Ihrem Nachteil, daß Ihre Rede abgebrochen wurde. Man hat nachher noch sehr ungünstig über sie geurteilt." "Mag sein", sagte K. ablenkend, "aber Sie entschuldigt das nicht." "Ich bin vor allen entschuldigt, die mich kennen", sagte die Frau, "der, welcher mich damals umarmt hat, verfolgt mich schon seit langem. Ich mag im allgemeinen nicht verlockend sein, für ihn bin ich es aber. Es gibt hierfür keinen Schutz, auch mein Mann hat sich schon damit abgefunden; will er seine Stellung behalten, muß er es dulden, denn jener Mann ist Student und wird voraussichtlich zu größerer Macht kommen. Er ist immerfort hinter mir her, gerade ehe Sie kamen, ist er fortgegangen." "Es paßt zu allem anderen", sagte K., "es überrascht mich nicht." "Sie wollen hier wohl einiges verbessern?" fragte die Frau langsam und prüfend, als sage sie etwas, was sowohl für sie als für K. gefährlich war. "Ich habe das schon aus Ihrer Rede geschlossen, di e mir persönlich sehr gut gefallen hat. Ich habe allerdings nur einen Teil gehört, den Anfang h abe ich versäumt und während des Schlusses lag ich mit dem Studenten auf dem Boden. – Es ist ja so widerlich hier", sagte sie nach einer Pause und faßte K.s Hand. "Glauben Sie, daß es Ihnen gelingen
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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