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Zimmer war äußerst lästig, er verhinderte sogar eine genauere B eobachtung der
Fernerstehenden. Besonders für die Galeriebesucher mußte er störend sein, sie waren
gezwungen, allerdings unter scheuen Seitenblicken nach dem Untersuchungsrichter, leise
Fragen an die Versammlungsteilnehmer zu stellen, um sich näher zu unterrichten. Die
Antworten wurden im Schutz der vorgehaltenen Hände ebenso leise gegeben.
"Ich bin gleich zu Ende", sagte K. und schlug, da keine Glocke vorhanden war, mit der
Faust auf den Tisch; im Schrecken darüber fuhren die Köpfe des Untersuchungsrichters und
seines Ratgebers augenblicklich auseinander: "Mir steht die ganze Sache fern, ich beurteile
sie daher ruhig, und Sie können, vorausgesetzt, daß Ihnen an diesem angeblichen Gericht
etwas gelegen ist, großen Vorteil davon haben, wenn Sie mir zuhöre n. Ihre gegenseitigen
Besprechungen dessen, was ich vorbringe, bitte ich Sie für späterh in zu verschieben, denn
ich habe keine Zeit und werde bald weggehen."
Sofort war es still, so sehr beherrschte K. schon die Versammlung. Man schrie nicht mehr
durcheinander wie am Anfang, man klatschte nicht einmal mehr Beifall, aber man schien
schon überzeugt oder auf dem nächsten Wege dazu.
"Es ist kein Zweifel", sagte K. sehr leise, denn ihn freute das angespannte Aufhorchen der
ganzen Versammlung, in dieser Stille entstand ein Sausen, das aufreizender war als der
verzückteste Beifall, "es ist kein Zweifel, daß hinter allen Äußerungen dieses Gerichtes, in
meinem Fall also hinter der Verhaftung und der heutigen Untersuchung, eine große
Organisation sich befindet. Eine Organisation, die nicht nur bestechliche Wächter, läppische
Aufseher und Untersuchungsrichter, die günstigsten Falles bescheiden sind, beschäftigt,
sondern die weiterhin jedenfalls eine Richterschaft hohen und höchsten Grades unterhält, mit
dem zahllosen, unumgänglichen Gefolge von Dienern, Schreibern, Gendarmen und anderen
Hilfskräften, vielleicht sogar Henkern, ich scheue vor dem Wort nicht zurück. Und der Sinn
dieser großen Organisation, meine Herren? Er besteht darin, daß unschuldige Personen
verhaftet werden und gegen sie ein sinnloses und meistens, wie in meinem Fall,
ergebnisloses Verfahren eingeleitet wird. Wie ließe sich bei dieser Sinnlosigkeit des Ganzen
die schlimmste Korruption der Beamtenschaft vermeiden? Das ist unmöglich, das brächte
auch der höchste Richter nicht einmal für sich selbst zustande. Darum suchen die Wächter
den Verhafteten die Kleider vom Leib zu stehlen, darum brechen Aufseher in fremde
Wohnungen ein, darum sollen Unschuldige, statt verhört, lieber vor ganzen Versammlungen
entwürdigt werden. Die Wächter haben nur von Depots erzählt, in die man das Eigentum der
Verhafteten bringt, ich wollte einmal diese Depotplätze sehen, in denen das mühsam
erarbeitete Vermögen der Verhafteten fault, soweit es nicht von diebischen Depotbeamten
gestohlen ist." K. wurde durch ein Kreischen vom Saalende unterbrochen, er beschattete die
Augen, um hinsehen zu können, denn das trübe Tageslicht machte den Dunst weißlich und
blendete. Es handelte sich um die Waschfrau, die K. gleich bei ihrem Eintritt als eine
wesentliche Störung erkannt hatte. Ob sie jetzt schuldig war oder nic ht, konnte man nicht
erkennen. K. sah nur, daß ein Mann sie in einen Winkel bei der Tür gezogen hatte und dort
an sich drückte. Aber nicht sie kreischte, sondern der Mann, er hatte den Mund breit gezogen
und blickte zur Decke. Ein kleiner Kreis hatte sich um beide gebildet, die Galeriebesucher in
der Nähe schienen darüber begeistert, daß der Ernst, den K. in die Versammlung eingeführt
hatte, auf diese Weise unterbrochen wurde. K. wollte unter dem ersten Eindruck gleich
hinlaufen, auch dachte er, allen würde daran gelegen sein, dort Ordnung zu schaffen und
zumindest das Paar aus dem Saal zu weisen, aber die ersten Reihen vor ih m blieben ganz
fest, keiner rührte sich, und keiner ließ K. durch. Im Gegenteil, man hinderte ihn, alte Männer
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