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"Fragen Sie doch noch einmal nach", sagte der Direktor-Stellvertreter. "Es ist nicht so
wichtig", sagte K., obwohl dadurch seine frühere, schon an sich mangelhafte Entschuldigung
noch weiter verfiel. Der Direktor-Stellvertreter sprach noch im Weggehen über andere Dinge.
K. zwang sich auch zu antworten, dachte aber hauptsächlich daran, daß es am besten sein
werde, Sonntag um neun Uhr vormittags hinzukommen, da zu dieser Stunde an Werktagen
alle Gerichte zu arbeiten anfangen.
Sonntag war trübes Wetter. K. war sehr ermüdet, da er wegen einer
Stammtischfeierlichkeit bis spät in die Nacht im Gasthaus geblieben war, er hätte fast
verschlafen. Eilig, ohne Zeit zu haben, zu überlegen und die verschiedenen Pläne, die er
während der Woche ausgedacht hatte, zusammenzustellen, kleidete er si ch an und lief, ohne
zu frühstücken, in die ihm bezeichnete Vorstadt. Eigentümlicherweise traf er, obwohl er wenig
Zeit hatte, umherzublicken, die drei an seiner Angelegenheit beteiligten Beamten,
Rabensteiner, Kullich und Kaminer. Die ersten zwei fuhren in einer Elektrischen quer über K.s
Weg, Kaminer aber saß auf der Terrasse eines Kaffeehauses und beugte sich gerade, als K.
vorüberkam, neugierig über die Brüstung. Alle sahen ihm wohl nach und wunderten sich, wie
ihr Vorgesetzter lief; es war irgendein Trotz, der K. davon abgehalten hatte, zu fahren, er
hatte Abscheu vor jeder, selbst der geringsten fremden Hilfe in dieser seiner Sache, auch
wollte er niemanden in Anspruch nehmen und dadurch selbst nur im allerentferntesten
einweihen; schließlich hatte er aber auch nicht die geringste Lust, sich durch allzu große
Pünktlichkeit vor der Untersuchungskommission zu erniedrigen. Allerdings lief er jetzt, um nur
möglichst um neun Uhr einzutreffen, obwohl er nicht einmal für eine bestimmte Stunde
bestellt war.
Er hatte gedacht, das Haus schon von der Ferne an irgendeinem Zeichen, d as er sich
selbst nicht genau vorgestellt hatte, oder an einer besonderen Bewegung vor dem Eingang
schon von weitem zu erkennen. Aber die Juliusstraße, in der es sein sollte und an deren
Beginn K. einen Augenblick lang stehenblieb, enthielt auf beiden Seiten fast ganz einförmige
Häuser, hohe, graue, von armen Leuten bewohnte Miethäuser. Jetzt, am Sonntagmorgen,
waren die meisten Fenster besetzt, Männer in Hemdärmeln lehnten dort und rauchten oder
hielten kleine Kinder vorsichtig und zärtlich an den Fensterrand. Andere Fenster waren hoch
mit Bettzeug angefüllt, über dem flüchtig der zerraufte Kopf einer Frau erschien. Man rief
einander über die Gasse zu, ein solcher Zuruf bewirkte gerade über K. ein großes Gelächter.
Regelmäßig verteilt befanden sich in der langen Straße kleine, unter dem Straßenniveau
liegende, durch ein paar Treppen erreichbare Läden mit verschiedenen Lebensmitteln. Dort
gingen Frauen aus und ein oder standen auf den Stufen und plauderten. Ein Obsthändler, der
seine Waren zu den Fenstern hinauf empfahl, hätte, ebenso unaufmerksam wie K., mit
seinem Karren diesen fast niedergeworfen. Eben begann ein in besseren Stadtvierteln
ausgedientes Grammophon mörderisch zu spielen.
K. ging tiefer in die Gasse hinein, langsam, als hätte er nun schon Zeit oder als sähe ihn
der Untersuchungsrichter aus irgendeinem Fenster und wisse also, daß sich K. eingefunden
habe. Es war kurz nach neun. Das Haus lag ziemlich weit, es war fast ung ewöhnlich
ausgedehnt, besonders die Toreinfahrt war hoch und weit. Sie war offenba r für Lastfuhren
bestimmt, die zu den verschiedenen Warenmagazinen gehörten, die jetzt versperrt den
großen Hof umgaben und Aufschriften von Firmen trugen, von denen K. einige aus dem
Bankgeschäft kannte. Gegen seine sonstige Gewohnheit sich mit allen d iesen
Äußerlichkeiten genauer befassend, blieb er auch ein wenig am Eingang des Hofes stehen. In
seiner Nähe auf einer Kiste saß ein bloßfüßiger Mann und las eine Zeitung. Auf einem
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