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hat man gerade Sie geschickt!" rief er mehr, als er fragte. Die Herren wußten scheinbar keine
Antwort, sie warteten mit dem hängenden, freien Arm, wie Krankenwärter, wenn der Kranke
sich ausruhen will. "Ich gehe nicht weiter", sagte K. versuchsweise. Darauf brauchten die
Herren nicht zu antworten, es genügte, daß sie den Griff nicht lockerten und K. von der Stelle
wegzuheben versuchten, aber K. widerstand. "Ich werde nicht mehr viel Kraft brauchen, ich
werde jetzt alle anwenden", dachte er. Ihm fielen die Fliegen ein, die mit zerreißenden
Beinchen von der Leimrute wegstrebten. "Die Herren werden schwere Arbeit haben."
Da stieg vor ihnen aus einer tiefer gelegenen Gasse auf einer kleinen Treppe Fräulein
Bürstner zum Platz empor. Es war nicht ganz sicher, ob sie es war, die Ähnlichkeit war freilich
groß. Aber K. lag auch nichts daran, ob es bestimmt Fräulein Bürstner war, bloß die
Wertlosigkeit seines Widerstandes kam ihm gleich zum Bewußtsein. Es war nichts
Heldenhaftes, wenn er widerstand, wenn er jetzt den Herren Schwierigkeiten bereitete, wenn
er jetzt in der Abwehr noch den letzten Schein des Lebens zu genießen versuchte. Er setzte
sich in Gang, und von der Freude, die er dadurch den Herren machte, ging noch etwas auf
ihn selbst über. Sie duldeten es jetzt, daß er die Wegrichtung bestimmte, und er bestimmte
sie nach dem Weg, den das Fräulein vor ihnen nahm, nicht etwa, weil er sie einholen, nicht
etwa, weil er sie möglichst lange sehen wollte, sondern nur deshalb, um die Mahnung, die sie
für ihn bedeutete, nicht zu vergessen. "Das einzige, was ich jetzt tun kann", sagte er sich,
und das Gleichmaß seiner Schritte und der Schritte der beiden anderen bestätigte seine
Gedanken, "das einzige, was ich jetzt tun kann, ist, bis zum Ende den ruhig einteilenden
Verstand behalten. Ich wollte immer mit zwanzig Händen in die Welt hineinfahren und
überdies zu einem nicht zu billigenden Zweck. Das war unrichtig. Soll ich nun zeigen, daß
nicht einmal der einjährige Prozeß mich belehren konnte? Soll ich als ein begriffsstutziger
Mensch abgehen? Soll man mir nachsagen dürfen, daß ich am Anfang d es Prozesses ihn
beenden wollte und jetzt, an seinem Ende, ihn wieder beginnen will? Ich will nicht, daß man
das sagt. Ich bin dafür dankbar, daß man mir auf diesem Weg diese halbstummen,
verständnislosen Herren mitgegeben hat und daß man es mir überl assen hat, mir selbst das
Notwendige zu sagen."
Das Fräulein war inzwischen in eine Seitengasse eingebogen, aber K. k onnte sie schon
entbehren und überließ sich seinen Begleitern. Alle drei zogen nun in vollem Einverständnis
über eine Brücke im Mondschein, jeder kleinen Bewegung, die K. machte, gaben die Herren
jetzt bereitwillig nach, als er ein wenig zum Geländer sich wendete, drehten auch sie sich in
ganzer Front dorthin. Das im Mondlicht glänzende und zitternde Wasser teilte sich um eine
kleine Insel, auf der, wie zusammengedrängt, Laubmassen von Bäumen und Sträuchern sich
aufhäuften. Unter ihnen, jetzt unsichtbar, führten Kieswege mit bequemen Bänken, auf denen
K. in manchem Sommer sich gestreckt und gedehnt hatte. "Ich wollte ja gar nicht
stehenbleiben", sagte er zu seinen Begleitern, beschämt durch ihre Bereitwilligkeit. Der eine
schien dem anderen hinter K.s Rücken einen s
Stehenbleibens zu machen, dann gingen sie weiter. Sie kamen durch einige ansteigende
Gassen, in denen hie und da Polizisten standen oder gingen; bald in der Ferne, bald in
nächster Nähe. Einer mit buschigem Schnurrbart, die Hand am Griff des Säbels, trat wie mit
Absicht nahe an die nicht ganz unverdächtige Gruppe. Die Herren stock ten, der Polizeimann
schien schon den Mund zu öffnen, da zog K. mit Macht die Herren vorwärts. Öfters drehte er
sich vorsichtig um, ob der Polizeimann nicht folgte; als sie aber eine Ecke zwischen sich und
dem Polizeimann hatten, fing K. zu laufen an, die Herren mußten trotz großer Atemnot auch
mit laufen.
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