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Mondlicht. "Das Fräulein kommt oft spät nach Hause", sagte K. und sah Frau Grubach an,
als trage sie die Verantwortung dafür. "W
entschuldigend. "Gewiß, gewiß", sagte K., "es kann aber zu weit gehen." "Das kann es",
sagte Frau Grubach, "wie sehr haben Sie recht, Herr K. Vielleicht sogar in diesem Fall. Ich
will Fräulein Bürstner gewiß nicht verleumden, sie ist ein gutes, liebes Mädchen, freundlich,
ordentlich, pünktlich, arbeitsam, ich schätze das alles sehr, aber eines ist wahr, sie sollte
stolzer, zurückhaltender sein. Ich habe sie in diesem Monat schon zweimal in entlegenen
Straßen und immer mit einem andern Herrn gesehen. Es ist mir sehr pei nlich, ich erzähle es,
beim wahrhaftigen Gott, nur Ihnen, Herr K., aber es wird sich nicht vermeiden lassen, daß ich
auch mit dem Fräulein selbst darüber spreche. Es ist übrigens nicht das Einzige, das sie mir
verdächtig macht." "Sie sind auf ganz falschem Weg", sagte K. wütend und fast unfähig, es
zu verbergen, "übrigens haben Sie offenbar auch meine Bemerkung über das Fräulein
mißverstanden, so war es nicht gemeint. Ich warne Sie sogar aufrichtig, dem Fräulein irgend
etwas zu sagen, Sie sind durchaus im Irrtum, ich kenne das Fräulein sehr gut, es ist nichts
davon wahr, was Sie sagten. Übrigens, vielleicht gehe ich zu weit, ic h will Sie nicht hindern,
sagen Sie ihr, was Sie wollen. Gute Nacht." "Herr K.", sagte Frau Grubach bittend und eilte
K. bis zu seiner Tür nach, die er schon geöffnet hatte, "ich will ja noch gar nicht mit dem
Fräulein reden, natürlich will ich sie vorher noch weiter beobachten, nur Ihnen habe ich
anvertraut, was ich wußte. Schließlich muß es doch im Sinne jedes Mieters sein, wenn man
die Pension rein zu erhalten sucht, und nichts anderes ist mein Bestreben dabei." "Die
Reinheit!" rief K. noch durch die Spalte der Tür, "wenn Sie die Pension rein erhalten wollen,
müssen Sie zuerst mir kündigen." Dann schlug er die Tür zu, ein leises Klopfen beachtete er
nicht mehr.
Dagegen beschloß er, da er gar keine Lust zum Schlafen hatte, noch wa chzubleiben und
bei dieser Gelegenheit auch festzustellen, wann Fräulein Bürstner kommen würde. Vielleicht
wäre es dann auch möglich, so unpassend es sein mochte, noch ein p aar Worte mir ihr zu
reden. Als er im Fenster lag und die müden Augen drückte, dachte er einen Augenblick sogar
daran, Frau Grubach zu bestrafen und Fräulein Bürstner zu überreden, gemeinsam mit ihm
zu kündigen. Sofort aber erschien ihm das entsetzlich übertrieben, und er hatte sogar den
Verdacht gegen sich, daß er darauf ausging, die Wohnung wegen der Vorfälle am Morgen zu
wechseln. Nichts wäre unsinniger und vor allem zweckloser und verächtlicher gewesen. Als
er des Hinausschauens auf die leere Straße überdrüssig geworden war, legte er sich auf das
Kanapee, nachdem er die Tür zum Vorzimmer ein wenig geöffnet hatte, um jeden, der die
Wohnung betrat, gleich vom Kanapee aus sehen zu können. Etwa bis elf Uhr lag er ruhig,
eine Zigarre rauchend, auf dem Kanapee. Von da ab hielt er es aber nicht mehr dort aus,
sondern ging ein wenig ins Vorzimmer, als könne er dadurch die Ankunf t des Fräulein
Bürstner beschleunigen. Er hatte kein besonderes Verlangen nach ihr, er konnte sich nicht
einmal genau erinnern, wie sie aussah, aber nun wollte er mit ihr reden und es reizte ihn, daß
sie durch ihr spätes Kommen auch noch in den Abschluß dieses Tages Unruhe und
Unordnung brachte. Sie war auch schuld daran, daß er heute nicht zu Abend gegessen und
daß er den für heute beabsichtigten Besuch bei Elsa unterlassen hatte. Beides konnte er
allerdings noch dadurch nachholen, daß er jetzt in das Weinlokal ging, in dem Elsa bedienstet
war. Er wollte es auch noch später nach der Unterredung mit Fräulein Bürstner tun.
Es war halb zwölf vorüber, als jemand im Treppenhaus zu hören w ar. K., der, seinen
Gedanken hingegeben, im Vorzimmer so, als wäre es sein eigenes Zimmer, laut auf und ab
ging, flüchtete hinter seine Tür. Es war Fräulein Bürstner, die gekommen war. Fröstelnd zog
sie, während sie die Tür versperrte, einen seidenen Schal um ihre schmalen Schultern
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