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handelt sich ja um Ihr Glück und das liegt mir wirklich am Herzen, mehr als mir vielleicht
zusteht, denn ich bin ja bloß die Vermieterin. Nun, ich habe also einiges gehört, aber ich kann
nicht sagen, daß es etwas besonders Schlimmes war. Nein. Sie sind zwar verhaftet, aber
nicht so wie ein Dieb verhaftet wird. Wenn man wie ein Dieb verhaftet wird, so ist es schlimm,
aber diese Verhaftung . Es kommt mir wie etwas Gelehrtes vor, entschuldigen Sie, wenn ich
etwas Dummes sage, es kommt mir wie etwas Gelehrtes vor, das ich zwar nicht verstehe,
das man aber auch nicht verstehen muß."
"Es ist gar nichts Dummes, was Sie gesagt haben, Frau Grubach, wenigstens bin auch ich
zum Teil Ihrer Meinung, nur urteile ich über das Ganze noch schärf er als Sie und halte es
einfach nicht einmal für etwas Gelehrtes, sondern überhaupt für nichts. Ich wurde
überrumpelt, das war es. Wäre ich gleich nach dem Erwachen, ohne m ich durch das
Ausbleiben der Anna beirren zu lassen, aufgestanden und ohne Rücksicht auf irgend jemand,
der mir in den Weg getreten wäre, zu Ihnen gegangen, hätte ich die smal ausnahmsweise
etwa in der Küche gefrühstückt, hätte mir von Ihnen die Kleidungsstücke aus meinem Zimmer
bringen lassen, kurz, hätte ich vernünftig gehandelt, so wäre n ichts weiter geschehen, es
wäre alles, was werden wollte, erstickt worden. Man ist aber so wenig vorbereitet. In der Bank
zum Beispiel bin ich vorbereitet, dort könnte mir etwas Derartiges unmöglich geschehen, ich
habe dort einen eigenen Diener, das allgemeine Telephon und das Bürot elephon stehen vor
mir auf dem Tisch, immerfort kommen Leute, Parteien und Beamte, außerdem aber und vor
allem bin ich dort immerfort im Zusammenhang der Arbeit, daher geistesgegenwärtig, es
würde mir geradezu ein Vergnügen machen, dort einer solchen Sache gegenübergestellt zu
werden. Nun, es ist vorüber und ich wollte eigentlich auch gar nicht mehr darüber sprechen,
nur Ihr Urteil, das Urteil einer vernünftigen Frau, wollte ich hören und bin sehr froh, daß wir
darin übereinstimmen. Nun müssen Sie mir die Hand reichen, eine so lche Übereinstimmung
muß durch Handschlag bekräftigt werden."
Ob sie mir die Hand reichen wird? Der Aufseher hat mir die Hand nicht gereicht, dachte er
und sah die Frau anders als früher, prüfend an. Sie stand auf, weil auch er aufgestanden war,
sie war ein wenig befangen, weil ihr nicht alles, was K. gesagt hatte, v erständlich gewesen
war. Infolge dieser Befangenheit sagte sie aber etwas, was sie gar nicht wollte und was auch
gar nicht am Platze war: "Nehmen Sie es doch nicht so schwer, Herr K.", sagte sie, hatte
Tränen in der Stimme und vergaß natürlich auch den Handschlag. "Ich wüßte nicht, daß ich
es schwer nehme", sagte K., plötzlich ermüdet und das Wertlose aller Zustimmungen dieser
Frau einsehend.
Bei der Tür fragte er noch: "Ist Fräulein Bürstner zu Hause?" "Nein", sagte Frau Grubach
und lächelte bei dieser trockenen Auskunft mit einer verspäteten vernünftigen Teilnahme.
"Sie ist im Theater. Wollten Sie etwas von ihr? Soll ich ihr etwas au srichten?" "Ach, ich
wollte nur ein paar Worte mit ihr reden." "Ich weiß leider nicht, wann sie kommt; wenn sie im
Theater ist, kommt sie gewöhnlich spät." "Das ist ja ganz gleichgültig", sagte K. und drehte
schon den gesenkten Kopf der Tür zu, um wegzugehen, "ich wollte mi ch nur bei ihr
entschuldigen, daß ich heute ihr Zimmer in Anspruch genommen habe." "Das ist nicht nötig,
Herr K., Sie sind zu rücksichtsvoll, das Fräulein weiß ja von gar nichts, sie war seit dem
frühen Morgen noch nicht zu Hause, es ist auch schon alles in Ordnung gebracht, sehen Sie
selbst." Und sie öffnete die Tür zu Fräulein Bürstners Zimmer. "Danke, ich glaube es", sagte
K., ging dann aber doch zu der offenen Tür. Der Mond schien still in das dunkle Zimmer.
Soviel man sehen konnte, war wirklich alles an seinem Platz, auch die Bluse hing nicht mehr
an der Fensterklinke. Auffallend hoch schienen die Polster im Bett, sie lagen zum Teil im
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